Ärzte Zeitung, 16.11.2011

Selbsthilfgruppen fürchten AMNOG-Folgen

Die forschenden Arzneihersteller werben vor dem Hintergrund der frühen Nutzenbewertung für Partnerschaft - aber Patientengruppen ist angesichts der Folgen unwohl.

BERLIN (af). Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) Birgit Fischer setzt auf Kooperation und fairen Ausgleich der Interessen beim Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG).

Die frühe Nutzenbewertung und die künftigen Preisverhandlungen müssten unter Versorgungsgesichtspunkten als gesamtgesellschaftliche Aufgaben gesehen werden, sagte Fischer bei einem vom vfa organisierten Treffen mit Selbsthilfegruppen in Berlin.

Bei den anstehenden Kosten-Nutzenbewertungen dürften die Beteiligten keine Gefechte der Vergangenheit führen. Zu glauben, man könne die Kosten drücken, ohne Innovationen eine Chance zu lassen, führe dazu, dass Deutschland sich selbst das Wasser abgrabe.

Gefahr, dass wirklicher Zusatznutzen aberkannt wird

"Wenn eine Industrie in Forschung investiert, es aber keine Refinanzierung dafür gibt, wird diese Forschung nicht mehr stattfinden", warnte Fischer. Die Industrie sei bereit, ihre Rolle in einem partnerschaftlichen Gesundheitswesen einzunehmen.

Auf Kritik der Selbsthilfegruppen stieß Fischers These, dass es im Zeitablauf eine stärkere Patientenorientierung gebe. Die Diskussionen um die Nachweise von Zusatznutzen seien Belege für das Gegenteil.

Die Vertreter der Selbsthilfegruppen fürchten, dass Innovationen, die aus der Perspektive betroffener kranker und behinderter Menschen einen Zusatznutzen bedeuteten, diesen mit dem AMNOG aberkannt bekämen.

Windeler: Ausmaß des Nutzens entscheidend

Eine Folge könne sein, dass Innovationen gar nicht mehr in Deutschland eingeführt werden. Oder dass es zu vielen Verfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss komme.

Dies sei nicht zu erwarten, sagte Professor Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bei der Feststellung eines Zusatznutzens werde es künftig mehr um das Ausmaß des Nutzens als um das Ob gehen.

Grund sei, dass das IQWiG künftig alle neuen Arzneimittel prüfe und nicht wie in der Vergangenheit vor allem die, über deren Nutzen sich der GBA gestritten habe.

Wie soll die Gesundheitsversorgung aussehen?

Einen neuen Ordnungsrahmen für eine soziale Gesundheitswirtschaft forderte Professor Klaus-Dirk Henke von der TU Berlin.

Er schlage dafür die Stiftungen der Parteien vor, die alle bereits heute ein bürgerzentriertes Gesundheitsmanagement mit den Selbsthilfegruppen diskutierten.

Dabei müssten klare Ziele definiert werden: wie etwa die Gestaltung der Gesundheitsversorgung aussehen müsse, um bis 2020 zwei gesunde Lebensjahre zu gewinnen.

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