Ärzte Zeitung, 17.11.2011

Transparency zieht KBV vor den Kadi

Ärger für die KBV: Transparency Deutschland droht ihr mit einem Gerichtsprozess, weil sie angeblich Informationen nicht rausgerückt haben soll. Das Problem: Der KBV könnten schlicht die Hände gebunden sein.

Transparency verklagt KBV auf AWB-Daten

KBV in Berlin: Ärger mit Transparency.

© vdb

BERLIN (HL/sun). Transparency Deutschland hat die KBV auf Akteneinsicht in die Daten über die zwischen Vertragsärzten und Arzneimittelherstellern vereinbarten Anwendungsbeobachtungen (AWB) verklagt.

AWB müssen den KVen gemeldet werden. Als Rechtsgrundlage für die Forderung nach Akteneinsicht nennt Transparency das Informationsfreiheitsgesetz, das auch für die KBV als Körperschaft Öffentlichen Rechts gilt.

Transparency vermutet, dass Ärzten pro Studie bis zu 6000 Euro zufließen. Diese Form der Korruption, wie Transparency es nennt, belaste die Krankenkassen mit einer Milliarde Euro.

Spagat zwischen Geheimnissen und Transparenz

Die KBV sieht sich allerdings zwischen den Stühlen. "Die KBV setzt sich klar für mehr Transparenz ein. Gleichzeitig sind wir an Verfahrensregeln gebunden", sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der "Ärzte Zeitung".

Man dürfe Informationen über Unternehmen nur nach Absprachen mit ihnen herausgeben, ergänzte er. "Das müsste auch Transparency bekannt sein."

Stahl: "Wenn diese sich weigern, sind der KBV die Hände gebunden." Er räumte ein, dass es einen Spagat gebe zwischen den Geschäftsgeheimnissen der Unternehmen und den Wunsch nach mehr Transparenz.

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Roland Stahl (351)
[17.11.2011, 23:07:29]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Wo ist da ein Geschäftsgeheimnis?
Wo sollte bei Unterlagen bzw. Daten über AWB's das Geschäftsgeheimnis sein? Dies ist ein fadenscheiniges Argument. Es würde wohl nur belegen, das diese "Untersuchungen" keinerlei wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, obwohl deren Ergebnisse gern als Wirksamkeitsbeweise präsentiert
werden. Weiters könnte auch das Überschreiten gewisser Toleranzgrenzen seitens der Körperschaft deutlich werden. Wer nichts zu verbergen hat, kann sich auch in die Karten, respektive Unterlagen schauen lassen! zum Beitrag »
[17.11.2011, 17:22:52]
Dr. Jürgen Schmidt 
Transparency deckt auf, was nie hätte stattfinden sollen.
In der Tat gewinnt man gelegentlich den Eindruck, als ob die ärztlichen Körperschaften Fragen der Ethik und Moral mehr auf die Fahnen geschrieben, als zum Gegenstand tätiger Sorge gemacht haben.

Als ich vor zwanzig Jahren meine Kammer anfragte, ob ein mir angebotener, läppischer Feldversuch, der mit 8 TDM honoriert werden sollte, nicht schlicht und einfach zu unterbinden sei, erhielt ich eine ausweichende Antwort, die deutlich aufzeigte, dass meine Sicht der Problematik nicht geteilt wurde.

Die pharmazeutische Industrie hat sich mancherorts über Förderkreise, Mitgliedschaft in Beiräten der Fortbildungsausschüsse u.ä. eine Einflussnahme gesichert, die unsere Körperschaften ins Zwielicht setzt, von den Veranstaltungen, die mit Sponsorenessen enden, ganz zu schweigen.

Transparency deckt auf, was nie hätte stattfinden sollen. zum Beitrag »
[17.11.2011, 17:03:34]
Günter Dambeck 
AWB
Wann ist endlich Schluß mit dieser unsäglichen Unsitte,ständig die Hand aufzuhalten? Natürlich ist ein Pacyl-Fahrrad ´was Feines,aber es hat halt Gschmäckle.Also lassen wir es doch! zum Beitrag »

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