Ärzte Zeitung online, 28.02.2012

Soziale Netzwerke im Visier des Drogenhandels

Erst gefälschte Arzneimittel, jetzt Drogen: Illegale Internetapotheken vetreiben offenbar immer mehr auch verbotene Drogen. Große Gefahr geht auch von sozialen Netzwerken aus.

Soziale Netzwerke im Visier des Drogenhandels

In diesen Regalen stehen nur Medikamente. Illegale Versandapotheken sollen zunehmend aber auch Drogen vertreiben.

© imago

WIEN (jvb). Illegale Internetapotheken verkaufen neben Medikamenten auch immer häufiger verbotene Drogen übers Netz.

Das ergab der Jahresbericht 2011 des Internationalen Suchtstoffkontrollrates, der die Umsetzung der Drogenkontrollabkommen der Vereinten Nationen überwacht.

Es sei "beunruhigend, dass illegale Internetapotheken inzwischen soziale Medien nutzen, um für ihre Webseiten zu werben", wird Hamid Ghodse, Präsident des Drogenkontrollrates, in der Mitteilung zitiert. Das könne viele Menschen dem Risiko des Konsums gefährlicher Produkte aussetzen, heißt es weiter.

Laut Kontrollrat sind 2010 über 5500 Postsendungen mit illegalen Drogen beschlagnahmt worden. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) kämen aus Indien. Daneben seien die Vereinigten Staaten, China und Polen wichtige Herkunftsländer.

Branche kämpft vor allem gegen gefälschte Arzneimittel

Die Nachricht kam für den Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) überraschend. Bisher kämpfte die Branche vor allem gegen den Vertrieb gefälschter Arzneimittel durch illegale Internetapotheken.

Dass es nun auch um Drogen gehen soll, war dem Verband bisher nicht bekannt, teilte der Verband der „Ärzte Zeitung“ auf Anfrage mit. Die Zahl der Verstöße gegen Paragraf 95 Arzneimittelgesetz, die das Internet betreffen, ist in Deutschland bisher gering.

So gab es 2010 laut Polizeilicher Kriminalstatistik insgesamt rund 3600 Verstöße, davon entfielen 173 auf das Internet.

Ähnlich ist das Ausmaß bei unrechtmäßigem Handel, Abgabe oder Bezug verschreibungspflichtiger Arzneimittel: Insgesamt wurden dem Bundeskriminalamt (BKA) für 2010 1410 Fälle gemeldet, davon 28 mit Bezug zum Internet.

Das BKA weist aber darauf hin, dass es sich nur um die angezeigten Verstöße handelt. Die Dunkelziffer sei erfahrungsgemäß gerade bei Rauschgiftdelikten sehr hoch, sagte eine Mitarbeiterin der „Ärzte Zeitung“. Gerade neue psychoaktive Substanzen würden in sozialen Netzwerken beworben. Belastbare Zahlen liegen dem BKA aber nicht vor.

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