Ärzte Zeitung, 02.04.2012

Cholesterinsenker und Co. setzen der PKV zu

Die PKV muss immer tiefer in die Tasche greifen, um ihren Versicherten die Kosten für Arzneimittel zu erstatten. Am meisten sind die Kosten bei Rezeptarzneien gestiegen, die keinen Festbetrag haben.

Verschreibungspflichtige Arzneien kosten PKV immer mehr

Eine Studie ergab: Die PKV hatte 2010 wesentlich höhere Arzneimittelausgaben als die GKV - bezogen auf die Verordnung pro Fertigarzeimittel.

© dpa

KÖLN (iss). In der Privaten Krankenversicherung (PKV) entfielen im Jahr 2010 mehr als die Hälfte aller Arzneimittelausgaben auf verschreibungspflichtige Medikamente, die in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) keinen Festbetrag haben.

In diesem Segment verzeichneten die PKV-Unternehmen in den vergangenen Jahren den höchsten Preisanstieg.

Das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP). Sie basiert auf 44,6 Millionen Verordnungen von zwölf PKV-Unternehmen, die 62 Prozent aller Privatversicherten als Kunden haben.

Danach nahmen die Preise für Fertigarzneimittel in der PKV zwischen 2007 und 2010 insgesamt um 8,7 Prozent zu. Bei verschreibungspflichtigen Präparaten ohne Festbetrag gab es dagegen eine Steigerung um 16,4 Prozent.

Im selben Zeitraum erhöhte sich deren Verordnungsanteil von 22,0 Prozent auf 22,5 Prozent, der Umsatzanteil von 51,4 Prozent auf 56,2 Prozent.

Cholesterinsenker vor Rheumamittel

In seiner Analyse "Arzneimittelversorgung der Privatversicherten 2010" hat Autor Dr. Frank Wild vom WIP die Bedeutung der festbetragsfreien Arzneimittel in der PKV analysiert, weil die Unternehmen seit 2011 wie die gesetzlichen Krankenkassen von einem Herstellerrabatt der Pharmafirmen profitieren. Im Untersuchungszeitraum war das aber noch nicht der Fall.

In der PKV erhöhten sich im Jahr 2010 die Arzneimittelausgaben je Versicherten um 2,2 Prozent, während es in der GKV einen Anstieg um 1,0 Prozent gab. Der durchschnittliche Verordnungspreis stieg um 4,4 Prozent auf 48,65 Euro.

In der GKV hätte es ohne gesetzliche Abschläge ein Plus von 4,3 Prozent auf 47,46 Euro gegeben. Die tatsächlichen Ausgaben der Kassen stiegen aber nur um 0,5 Prozent auf 43,17 Euro.

"Vergleicht man die für die Ausgaben maßgeblichen Werte, so lagen die PKV-Arzneimittelausgaben pro Verordnung für Fertigarzneimittel im Jahr 2009 um 7,4 Prozent, im Jahr 2010 aber um 12,7 Prozent höher als in der GKV."

Das umsatzstärkste Arzneimittel in der Privaten Krankenversicherung war wie im Vorjahr der Cholesterinsenker Sortis® (Atorvastatin), gefolgt vom Rheumamittel Humira® (Adalimumab).

Zwar sank der Anteil der nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimittel in der PKV weiter. "Nach wie vor sind allerdings mehr als ein Drittel aller zur Kostenerstattung eingereichten Verordnungen in der PKV nicht verschreibungspflichtig", schreibt Wild.

[03.04.2012, 17:05:55]
Klaus Hruby 
Nur für Privatversicherte ?
Man muss sich bei diesem Arzneimittel-Ranking doch fragen, wieso das einzige nicht festbetragsgedeckelte Statin bei nachgewiesenermaßen identischem Cholesterinsenkungseffekt gegenüber den GKV-Verordnungsspitzenreitern wie Simvastatin gerade bei PKV-Unternehmen umsatzstärkstes Arzneimittel werden kann! Bekanntlich ist ja der Marktanteil von Sortis zu Lasten der GKV von ehemals ca. 50% (2003) auf unter 5% gesunken, nachdem der Hersteller damals die Preise nicht an die neuen Festbeträge anpassen wollte.
Wieso beträgt aber der Marktanteil des Präparats in der PKV (immer noch) ca. 50% ?
Sprechen primäre oder sekundäre Hypercholesterinämien von PKV-Mitgliedern rätselhafterweise vielleicht wesentlich besser auf das (wesentlich) teurere Atorvastatin an als bei GKV-Mitgliedern ?
Oder welche Gründe könnte es noch für diese ökonomisch wie
wirkungsbezogen kaum nachvollziehbare Diskrepanz im ärztlichen Verordnungsverhalten bei Statinen geben ?  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »