Ärzte Zeitung online, 03.04.2012

Arbeitstage treiben Arzneiausgaben nach oben

FRANKFURT/MAIN (fst). Die Entwicklung der Arzneimittelausgaben in der GKV ist im Januar und Februar von einem statistischen Effekt beeinflusst worden: Weil beide Monate einen Arbeitstag mehr hatten als im Vorjahr, fällt die Wachstumsrate höher aus, als sie es tatsächlich ist.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens IMS Health haben Vertragsärzte im Februar Medikamente und Impfstoffe für 2,399 Milliarden Euro verordnet. Das entspricht einem Zuwachs von 4,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2011.

Rechnet man die Ausgaben für Impfstoffe von 48 Millionen Euro heraus, beträgt der Anstieg 4,7 Prozent. In diesen Zahlen sind die Zwangsrabatte für Arzneihersteller und Apotheker berücksichtigt, nicht jedoch die Einsparungen aus Rabattverträgen.

Die addierten Gesamtausgaben im Januar und Februar betragen 4,9 Milliarden Euro, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl abgegebener Packungen nimmt lediglich um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 114 Millionen zu.

Allerdings hat sich das Spektrum der verordneten Packungsgrößen verschoben: Die Zahl abgegebener Großpackungen (N3) legt um 6,2 Prozent zu. Deutlich geschrumpft sind dagegen die Verordnungszahlen für N2- (-2,4 Prozent) und N1-Packungen (-5,9 Prozent).

Werte etwa auf dem Niveau des Vorjahres

Der GKV-Spitzenverband hatte am Montag von einem Anstieg im Februar von 5,4 Prozent gesprochen. Ein Verbandssprecher warnte angesichts der Entwicklung in den ersten beiden Monaten vor einem Kostenzuwachs in der GKV im Jahr 2012 von 1,5 Milliarden Euro.

Die Zwangsrabatte zugunsten der Krankenkassen addieren sich in den ersten beiden Monaten bei Arzneimittel-Herstellern auf 404 Millionen, bei Apotheken auf 207 Millionen Euro.

Beide Werte bewegen sich weitgehend auf Vorjahresniveau. Da die Hersteller auch der Privatassekuranz Rabatte gewähren müssen, kommen nochmals 63 Millionen Euro Zwangsabschläge hinzu.

Auch die forschenden Pharmaunternehmen verwiesen auf die Verzerrung durch statistische Effekte. "Wer Januar und Februar als Grundlage für eine Hochrechnung auf das ganze Jahr wählt, verzerrt die Rechnung", sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer am Dienstag in Berlin. Eine Hochrechnung auf dieser Basis sei reine Spekulation.

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