Ärzte Zeitung, 16.10.2012

Im August

Siegeszug der Rabatt-Arzneien setzt sich fort

Im August stagnieren die Ausgaben für Arzneimittel und Impfstoffe fast. Dabei legen rabattgeregelte Medikamente beim Marktanteil weiter zu.

Von Florian Staeck

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FRANKFURT/MAIN. Die Arzneimittelausgaben in der GKV sind im August im Vergleich zum Vorjahresmonat praktisch unverändert geblieben.

Vertragsärzte haben demnach für 2,44 Milliarden Euro Arzneimittel und Impfstoffe verordnet, das entspricht einem Rückgang um 0,3 Prozent im Vergleich zum August 2011, berichtet das Beratungsunternehmen IMS Health.

Lässt man die Impfausgaben (rund 60 Millionen Euro) außen vor, dann ergibt sich ein Anstieg der Ausgaben um 1,3 Prozent. Berücksichtigt sind in diesen Zahlen die Zwangsrabatte für Hersteller und Apotheker, nicht aber die Einsparungen aus Rabattverträgen.

Impfstoffe für 501 Millionen Euro verordnet

Im bisherigen Jahresverlauf ergeben sich für die GKV Ausgaben von 20,07 Milliarden Euro, ein Plus von 2,3 Prozent. Werden Impfausgaben ausgegliedert, beträgt der Ausgabenanstieg 2,6 Prozent.

Ähnlich verhalten hat sich im August die Menge der abgegebenen Packungen entwickelt. Inklusive der Impfstoffe ergibt sich mit 53,08 Millionen Packungen eine schwarze Null (minus 0,3 Prozent).

Im Jahresverlauf ergibt sich ein Mengenanstieg um 0,8 Prozent auf 453 Millionen Packungen im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum.

Stark rückläufig zeigt sich der Impfstoffmarkt, der gegenüber dem August 2011 ein Minus von 39 Prozent aufweist. Lediglich bei HPV-Vakzinen und FSME-Impfstoffen haben sich Zuwächse ergeben.

In den ersten acht Monate des Jahres haben Vertragsärzte für 501 Millionen Euro Impfstoffe verordnet - ein Minus 7,9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Umsatzanteil rabattgeregelter Medikamente nahm zu

Bewegung zeigt sich dagegen im Markt für rabattgeregelte Arzneimittel. Noch im vergangenen Jahr sah es so aus, als sei das Marktpotenzial der Verträge weitgehend ausgereizt.

Zuletzt betrug der Anteil rabattgeregelter Arzneimittel im patentfreien Markt 60 Prozent. Zwischen Januar bis August dieses Jahres ist der Anteil um drei Prozenpunkte auf 63 Prozent gestiegen.

Eine Ursache dafür ist der Verordnungstrend zu großen N3-Packungen. Neue Regelungen für Packungsgrößen gestatten es, ein verordnetes Produkt auch dann auszutauschen, wenn der Packungsinhalt (zum Beispiel 100 Kapseln) nicht identisch ist.

Auch der Umsatzanteil rabattgeregelter Medikamente (ermittelt nach Listenpreisen) hat von 37 Prozent (2011) auf 43 Prozent (Januar bis August 2012) zugenommen.

Nur geringe Veränderungen ergeben sich bei der Höhe der Zwangsrabatt, die sich bisher auf 2,8 Milliarden Euro addieren.

Das Gros entfällt auf die Hersteller mit 1,649 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 1,668 Milliarden Euro). Der Abschlag für Apotheker ist mit 832 Millionen Euro um 1,2 Prozent gestiegen.

[16.10.2012, 19:48:45]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Auf dem Rücken von Patienten und Praxen
Leidtragende sind Arztpraxen, Apotheken und Patienten, die das Rabattchaos ordnen müssen. Natürlich unentgeldlich.
Der "Siegeszug" der kassenindividuellen Rabattpillen spiegelt die Angst der Politik, sich öffentlich zu einer Positivliste zu bekennen.

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