Ärzte Zeitung online, 24.04.2014

Arzneiausgaben

Kassen sparen ein Drittel weniger

Weil der Zwangsrabatt zu Jahresbeginn auf sechs Prozent gesenkt wurde, sind die Arzneimittelumsätze der Apotheken gestiegen: im Januar und Februar um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

FRANKFURT/MAIN. Politik steuert die Arzneiausgaben: Im Januar und Februar ist der Umsatz im Apothekenmarkt um zehn Prozent auf 4,77 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens IMS Health liegt dieser Zahl der Apothekenverkaufspreis zugrunde - abzüglich Herstellerrabatte sowie Einsparungen aus Erstattungsbeträgen. Nicht berücksichtigt sind Rabattverträge nach Paragraf 130a Abs. 8 SGB V.

Grund für den Anstieg ist der im ersten Quartal von 16 auf sechs Prozent reduzierte Herstellerabschlag für patentgeschützte Präparate, die keinen Festbetrag haben. Seit April beträgt dieser Zwangsabschlag sieben Prozent. Seit August 2010 hatte der erhöhte Abschlag gegolten - Ende 2013 ist diese Regelung dann automatisch ausgelaufen.

Die - politisch induzierte - Sonderentwicklung offenbart sich beim Blick auf die Teilsegmente des Arzneimittelmarkts: Der Umsatz mit patentgeschützten Arzneimitteln legte im Januar und Februar um fast 24 Prozent zu, bei Generika waren es hingegen nur 4,2 Prozent.

Tatsächlich dürfte der Ausgabenzuwachs bei Generika aufgrund der (nicht ausgewiesenen) Einsparungen durch Rabattverträge noch geringer sein.

Krankenkassen sparen weniger

Analog zum seit Jahresbeginn verringerten Zwangsabschlag liegen auch die entsprechenden Einsparungen der GKV deutlich unter Vorjahresniveau: Sie sind um 33 Prozent auf 154 Millionen (Januar) und 136 Millionen Euro (Februar) gesunken. Auch bei der Privatassekuranz sank die Höhe des Nachlasses in diesem Zeitraum um 27 Prozent auf 57 Millionen Euro.

Hingegen liegt der Apothekennachlass, der je verschreibungspflichtiger abgegebener Arzneimittelpackung anfällt, mit 189 Millionen Euro in den ersten beiden Monaten 2014 weitgehend auf Vorjahreslevel (plus ein Prozent).

Ganz anders als beim Umsatz sieht die Entwicklung bei der Zahl der Packungen aus, die über den Apothekentresen gewandert sind. Sie hat um 6,1 Prozent auf 257 Millionen Packungen abgenommen. Ein Grund dafür dürfte in der im Vergleich zum Vorjahr schwach ausgeprägten Erkältungssaison liegen.

Der Umsatz mit rezeptfreien Präparaten in Apotheken sank im Januar um zwei, im Februar sogar um fünf Prozent. Der Absatz nach Packungen schrumpfte im gleichen Zeitraum um fast zehn Prozent auf 136 Millionen.

Typische bei Erkältungen eingesetzte Arzneigruppen verzeichneten nach Analysen von IMS Health besonders starke Einbußen: Analgetika: minus 18 Prozent; Rhinologika: minus elf Prozent; Halsschmerzmittel: minus 26 Prozent.

Was die vormals Erkältungsgeplagten freute, ließ Allergiker in diesem Jahr vorzeitig leiden: Im Februar verzeichneten systemische Antihistamine einen Mengenzuwachs von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. (fst)

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