Ärzte Zeitung, 29.10.2014

Alternative Medizin

Homöopathie wird immer beliebter

Die Vorliebe der Deutschen für homöopathische Arzneimittel hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Nur noch eine Minderheit lehnt sie kategorisch ab, wie eine Umfrage ergeben hat.

Von Ruth Ney

BONN. Homöopathika machen inzwischen einen merklich Anteil am Umsatz rezeptfreier Arzneimittel in Apotheken aus. So entfielen nach Zahlen des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) im Jahr 2013 acht Prozent auf diese Präparategruppe, insgesamt 482 Millionen Euro.

Die Beliebtheit von Homöopathika spiegelt sich auch in einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach wider, die der BAH in Auftrag gegeben hat. Dabei wurden 1503 Personen zu Bekanntheit, Verwendung und Image von homöopathischen Arzneimitteln befragt.

Wie bereits kurz in der App-Ausgabe berichtet, ist danach in den vergangenen fünf Jahren der Kreis der Nutzer von 53 Prozent auf 60 Prozent der Bevölkerung gewachsen. Selbst unter den 40 Prozent derjenigen, die noch keine Homöopathika genommen haben, sind 28 Prozent mögliche Anwender und nur zwölf Prozent entschiedene Ablehner.

Bekanntheit in allen Altersgruppen und Bildungsschichten

Richte man den Blick noch weiter zurück in die Vergangenheit, werde die zunehmende Verbreitung homöopathischer Arzneimittel noch deutlicher, so Dr. Steffen de Sombre vom Allensbacher Institut bei der Vorstellung der Studie beim BAH in Bonn: "1970 nutzten in Westdeutschland gerade einmal 24 Prozent Homöopathika.

Von Homöopathika gehört hatten vor rund 45 Jahren etwa 76 Prozent, inzwischen sind es über 90 Prozent, und zwar in allen untersuchten Teilgruppen - Männer wie Frauen, Ost- wie Westdeutsche, Jüngere wie Ältere, gut oder weniger gut Gebildete."

Ähnlich geblieben wie vor fünf Jahren bei einer vergleichbar angelegten Befragung ist das Ergebnis, dass überdurchschnittlich viele Frauen zu den Nutzern von Homöopathika gehören.

Im Vergleich zu 2009 gestiegen ist de Sombres Ausführungen zufolge wiederum der Anteil derer, die von persönlichen positiven Heilerfahrungen berichten. Fast neun von zehn Verwendern haben demnach entsprechende Präparate schon geholfen, darunter 48 Prozent, die dies ohne Einschränkung zu Protokoll gaben.

Im Einsatz vor allem gegen Erkältungen

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind das 29 Prozent versus 24 Prozent vor fünf Jahren. Mit Abstand am häufigsten erfolgreich eingesetzt wurden Homöopathika gegen Erkältungen und grippale Infekte.

Bei der genaueren Betrachtung der überzeugten Anwender zeigte sich wieder, dass sich darunter überdurchschnittlich viele Frauen befinden sowie Personen zwischen 45 und 59 Jahren, viele Anwender aus Bayern und Baden-Württemberg sowie viele Menschen mit höherer Schulbildung und mit GKV- plus privater Zusatzversicherung.

Insgesamt zeigte sich auch gut ein Drittel der Befragten überzeugt, dass homöopathische Arzneimittel in Deutschland in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden (35 Prozent), nur zwei Prozent gehen von einer geringeren Bedeutung aus.

"Zur weiteren Verbreitung von Homöopathika dürften zum einen die bereits gemachten vielen positiven Heilerfahrungen beitragen und zum anderen, dass der Weg zu diesen Arzneimitteln zumeist über persönliche Empfehlungen aus dem nahen Bekanntenkreis führt - noch vor der Verordnung durch Arzt oder Heilpraktiker oder die Empfehlung aus der Apotheke" , folgert de Sombre aus den Daten.

Zu diesem Multiplikatoreffekt komme hinzu, dass homöopathische Arzneimittel als besonders nebenwirkungsarm (65 Prozent), gut verträglich (51 Prozent) und auch für Kinder gut geeignet (45 Prozent) in der Bevölkerung wahrgenommen würden. Unter den Anwendern ist der Anteil derjenigen, die dieser Ansicht sind, sogar noch deutlich höher.

Topics
Schlagworte
Arzneimittelpolitik (6907)
Homöopathie (287)
Organisationen
BAH (174)
Personen
Ruth Ney (219)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »