Ärzte Zeitung, 30.12.2014

Raucherentwöhnung

Andere Länder erstatten Pflaster und Kaugummi

Großbritannien, die Schweiz, Frankreich und Holland sind weiter als Deutschland. Ex-Rauchern wird dort geholfen.

In einigen Ländern Europas ist die Erstattungsfrage in den Gesundheitssystemen inzwischen zugunsten der Raucher, die von ihrer Sucht wegkommen wollen, geklärt.

In den Niederlanden werden Nikotinpflaster, Kaugummi oder Lutschbonbons seit Januar 2011 erstattet, wenn dies mit einer Verhaltenstherapie kombiniert wird. Die Präparate sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich.

Umdenken in der Schweiz

In Frankreich erhalten Raucher eine auf 50 Euro begrenzte Erstattung der entsprechenden Medikamente. Dies deckt allerdings bei weitem nicht die tatsächlichen Kosten der Entzugstherapie, die sich im Regelfall über mehrere Monate erstreckt.

In der Schweiz hat es ein Umdenken gegeben. So hat das schweizerische Bundesgericht in einem Urteil 2012 der Gesundheitspolitik aufgegeben, medikamentöse Raucherentwöhnungsmaßnahmen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen.

In Großbritannien war die Nikotinersatztherapie als Lifestyle-Produkt in den 1990er Jahren ausgeschlossen.

Im Jahr 2002 kam das National Institute for Clinical Excellence (NICE) zu dem Ergebnis, das die Nikotinersatztherapie kosteneffektiv ist und dass deshalb eine Erstattung sinnvoll ist.

Deutschland hingegen setzt die von der Bundesregierung ratifizierte Rahmenkonvention "Framework Convention on Tobacco Control" bis heute nur unzureichend um, wie der EQUIPP-Report gezeigt hat.

Die Konvention fordert von den Staaten, den Tabakverzicht zu fördern und das Angebot von Raucherentwöhnungstherapien zu gewährleisten. (HL)

Lesen Sie dazu auch:
Raucherentwöhnung: Nikotinersatztherapie lohnt sich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »