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Ärzte Zeitung, 22.01.2015

Rabatte

Kassen schaffen Fakten bei Sovaldi®

Der GKV-Spitzenverband bleibt links liegen: Versorgerkassen setzen im Fall Sovaldi® auf eigene Verträge.

BERLIN. Mehrere große Krankenkassen haben mit dem Hersteller Gilead eigene Rabattverträge über das Hepatitis C-Medikament Sofosbuvir (Sovaldi®) geschlossen.

Dies betrifft die Barmer GEK, die AOK Niedersachsen und die AOK Rheinland-Hamburg. Auch die Techniker Kasse mit über neun Millionen Versicherten bestätigte auf Anfrage, dass sie mit dem Hersteller verhandelt.

Die Kassen kommen damit dem GKV-Spitzenverband zuvor, der nach erfolglosen Verhandlungen mit dem Hersteller Anfang der Woche die Schiedsstelle angerufen hat. Bis April muss diese nun einen Kompromiss vermitteln.

Die Rabattverträge der drei Kassen decken - unabhängig vom Ausgang des Schiedsverfahrens - die Versorgung für rund 14 Millionen Versicherte ab. Der Hersteller sichert sich damit Marktanteile im umkämpften Segment neuer Hepatitis C-Präparate.

 Ein GKV-weiter Opt-out von Gilead nach erfolglosen Schiedsverhandlungen dürfte damit unwahrscheinlicher werden.

Bei der AOK Niedersachsen gilt der Rabattvertrag nach Angaben von Sprecher Carsten Sievers seit Dezember 2014. Eine Schwächung des GKV-Spitzenverbands stelle der eigenständig ausgehandelte Rabattvertrag nicht dar, so Sievers.

Deutlich werde vielmehr die Regelungslücke im Arzneispargesetz AMNOG, die im ersten Jahr nach Zulassung eine freie Preisbildung des Herstellers erlaube.

Die Barmer GEK nutze die gesetzliche Möglichkeit, ergänzend zu den Erstattungsbetragsverhandlungen selektive Verträge abzuschließen, sagte Sprecherin Sunna Gieseke.

Im Fokus stehe der Wunsch, Patienten eine bestmögliche Versorgung mit einem innovativen Medikament "zu einem wirtschaftlichen Preis" zu bieten. Welche Kündigungsfristen für die Rabattvereinbarungen gelten und wie viele Versicherte im Rahmen dieser Verträge bereits behandelt worden sind, wollten die Kassen nicht mitteilen.

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte dem Magazin "Capital", Arzneimittel mit einem echten Zusatznutzen dürfen bei einem großen Fortschritt "auch deutlich mehr" kosten.

Er warnte davor, die Pharmaindustrie wie eine Zitrone zu behandeln und "immer weiter zu pressen". (fst)

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