Ärzte Zeitung, 07.10.2015

Antibiotika

Die Ursachen der Resistenz-Entwicklung

Weltweit nehmen Antibiotika-Resistenzen zu. Experten warnen vor einem "prä-antibiotischen Zeitalter". Die Ursachen für diese gefährliche Entwicklung sind vielfältig.

NEU-ISENBURG. Seit Ende der 1930er Jahr haben pharmazeutische Unternehmen 20 antibiotische Wirkstoffgruppen entwickelt. Für alle gilt: Ihre Wirksamkeit hat nachgelassen. Die wichtigsten Ursachen:

Natürliche Resistenzen: Viele pathogene Mikroorganismen haben eine außerordentlich kurze Generationszeit. Unter optimalen Lebensbedingungen kann sich ihre Zellzahl innerhalb von 20 bis 30 Minuten verdoppeln. Bei der Schnelligkeit dieses Prozesses entstehen Mutationen, mit denen Bakterien gegen Antibiotika widerstandsfähig werden.

Unkritsche Verwendung in der Humanmedizin: Häufig werden Antibiotika bei viralen Infektionen verwendet. Ferner werden Antibiotika in der ambulanten Medizin ohne vorausgehende Diagnostik und gesicherte sowie gezielte Indikation eingesetzt. Noncompliance, insbesondere vorzeitiges Absetzen der Medikation fördert Resistenz-Bildungen.

Nosokomialinfektionen: Zu den Problemkeimen gehören ESBL-bildende Stämme von Escherichia coli, Klebsiella und anderen gramnegativen Bakterien, MRSA, Clostridium difficile und Vancomycin-resistenten Enterokokken. Von 2004 bis 2011 hat sich der Anteil der ESBL unter den Isolaten von stationären und ambulanten Patienten in Deutschland verdoppelt bis verdreifacht. Die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes 2011 war teilweise wirksam; Probleme sind der Mangel an Hygienefachkräften sowie Personal-Überlastung.

Veterinärmedizin: Die tierärztliche Betreuung ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg in der Schweine- und Geflügelmast. Antibiotika werden hier auch prophylaktisch eingesetzt. Mit 1706 Tonnen (2012) ist der Verbrauch von Antibiotika in der Veterinärmedizin deutlich höher als in der Humanmedizin. Aufgrund des Dispensierrechts der Veterinäre liegt der Einkommensanteil aus verordneten Arzneien bei Tierärzten zwischen 50 und 80 Prozent.

Rückzug der Industrie aus der Antibiotika-Forschung: Die weitaus meisten Antibiotika wurden bis Mitte der 1960er Jahre entwickelt. Märkte mit einem hohen Medical Need sind klein, weil Innovationen nur sehr spezifisch eingesetzt werden dürfen. Das konventionelle Geschäftsmodell der Industrie funktioniert nicht. (MA)

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