Ärzte Zeitung, 02.02.2016

Arzneimittel

Pharmahersteller weiter zu Rabatt gezwungen

Gesundheitsministerium fürchtet weiter steigende Zusatzbeiträge, Herstellerverbände sind ungehalten.

BERLIN. Das Bundesgesundheitsministerium hält am Preismoratorium und an den gesetzlichen Herstellerabschlägen auch für 2016 fest.

Das geht aus einer Bekanntmachung des BMG im Bundesanzeiger hervor.

Das Preismoratorium, das sich auf die Preisbasis vom 1. August 2009 bezieht sowie die Abschläge seien "ohne Änderung weiterhin erforderlich", heißt es.

Ohne diese Instrumente sei mit "mit deutlichen Mehrausgaben und einer weiteren Erhöhung des Zusatzbeitrags zu rechnen", wird zur Begründung angeführt.

Dass Hersteller nicht überproportional belastet werden, gehe aus der geringen Zahl an Ausnahmeanträgen hervor, die jährlich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle genehmigt würden, heißt es weiter.

BPI verweist auf GKV-Finanzpolster

Die gesamtwirtschaftliche Lage spreche nicht gegen, sondern für eine Aufhebung von Preismoratorium und Abschlägen, kommentierte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) den Schritt des Ministeriums.

Die Wirtschaft sei weiter in guter Verfassung, das Finanzpolster in der GKV liege bei 15 Milliarden Euro.

Er habe den Eindruck, dass die "Zwangsmaßnahmen gegen die pharmazeutische Industrie faktisch institutionalisiert werden", sagte BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp: "In welcher anderen Branche gibt es einen Preisstopp auf Basis sechseinhalb Jahre alter Preise?"

Nach Zahlen von IMS Health beliefen sich die Einsparungen der Krankenkassen in Folge des Preismoratoriums von Januar bis November 2015 auf 271 Millionen Euro. Die Abschläge auf patentgeschützte, festbetragsfreie Medikamente addierten sich im gleichen Zeitraum auf 1,12 Milliarden Euro.

Zusammen mit weiteren gesetzlichen Abschlägen, unter anderem Erstattungsbeträge als Folge der frühen Nutzenbewertung, haben die Hersteller bis einschließlich November Abschläge zu Gunsten der gesetzlichen Kassen in Höhe von 2,23 Milliarden Euro geleistet.

Hinzu kamen im gleichen Zeitraum Rabatte für die private Krankenversicherung, die sich auf 373 Millionen Euro beliefen. (fst)

|
[02.02.2016, 11:12:52]
PD Dr. Hans-Robert Böhme 
Politische Pharmakologie
Die Argumentation mit Zahlen greift viel zu kurz. Es gibt wohl belegte fachliche Gründe,dass die von einem Dilettantenstadl inaugurierte Rabattpolitik in der Arzneimitteltherapie dem ganzen Volk und jedem einzelnen Patienten schadet.
s.a. www.drboehmeklipha.com Informationen für Fachkreise  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Live von der Eröffnung des Ärztetags

Großer Eröffnungsakt, GOÄ-Reform und Versorgung der Flüchtlinge: Heute beginnt der Ärztetag in Hamburg. Erleben Sie die Eröffnung mit - mit unserem Live-Ticker via Twitter! Und schauen Sie sich an, was BÄK-Präsident Montgomery der "Ärzte Zeitung" vorab im Video-Interview sagte. mehr »

KBV-VV gibt nach

Die KBV beugt sich dem Druck des Gesundheitsministers. Auf der VV gefasste Beschlüsse sollen die staatliche Zwangsverwaltung verhindern. Zudem beschließt sie das Programm "KBV 2020" und eine Förderung junger Ärzte von bis zu 5300 Euro im Monat. mehr »

Wunschkatalog für ambulante Versorgung

Mit "KBV 2020" will die Spitzenorganisation der Vertragsärzte beschreiben, wie moderne Versorgung aussehen kann. Ihren Wunschkatalog hat die KBV-VV verabschiedet. Im Video-Interview mit der "Ärzte Zeitung" äußerte sich KBV-Chef Gassen zur drohenden Zwangsverwaltung. mehr »