Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 15.07.2016

Selbstmedikation

Können sich Patienten oft einfach selbst behandeln?

Der Pharmaverband BAH fordert vom Gesetzgeber, Anreize für die Selbstmedikation zu schaffen.

HOLZKIRCHEN. Die Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln spart dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft erhebliche Ressourcen, so der Tenor der zweiten Regionalkonferenz des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) in Holzkirchen (Bayern).

Allein die ärztliche Behandlung einer nur leichten Gesundheitsstörung beanspruche mehr als 14-mal mehr an ökonomischen Ressourcen als die Behandlung durch Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln aus der Apotheke, erklärte der Vertreter des BAH, Lutz Boden. Der Arzt habe so mehr Zeit für Patienten, die seine Hilfe dringender benötigen.

Fühlen sich Bürger mehr eigenverantwortlich?

Schon jetzt spiele die Selbstmedikation im Gesundheitssystem eine wichtige Rolle, betonte Boden. Nach einer aktuellen Untersuchung entfallen inzwischen mehr als die Hälfte aller in Apotheken angegebenen Packungen auf rezeptfreie Arzneimittel, was auch als Zeichen einer zunehmenden Eigenverantwortung der Bürger zu werten sei.

Vor diesem Hintergrund müsse die Politik Rahmenbedingungen und Strukturen schaffen, die Patienten unterstützen und Anreize bieten, mehr Selbstbehandlung zu betreiben, forderte Boden.

Internet ist wichtiges Recherchewerkzeug bei Eigenmedikation

Bei Fragen zur Selbstmedikation spielt die Suche im Internet eine immer wichtigere Rolle, berichtete Boden.

Dabei werde nach einer Umfrage des BAH in erster Linie nach Indikationen oder Krankheiten gesucht und erst später nach konkreten Arzneimitteln, die dann gezielt beim Arzt oder in der Apotheke nachgefragt werden. "Für die Gesundheitsberufe ergeben sich daraus neue Herausforderung in der Beratung", so Boden.

Allerdings fühle sich etwa ein Drittel der Befragten durch die Informationsfülle im Internet überfordert und suche deshalb gezielt ärztliche Hilfe. Hier könne das Grüne Rezept eine Brücke sein, in dem es die Beziehung zwischen Arzt, Patient und Apotheker stärkt, so Boden. Allerdings führe nur etwa jede fünfte Empfehlung eines Arztes für ein rezeptfreies Medikament tatsächlich zu einem Grünen Rezept, hieß es. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »