Ärzte Zeitung, 31.08.2016

Homöopathie-Kosten

Homöopathische Dosis reicht zur Finanzierung

Von Helmut Laschet

Es gibt merkwürdige Themenkarrieren, die durch den Blätterwald spuken. Diesmal sind drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker nahe der niederländischen Grenze der Auslöser. Alle drei Patienten waren wahrscheinlich moribunde Krebskranke, mutmaßliche Ursache könnte ein nicht als Arzneimittel zugelassener experimenteller Stoff sein

Eine Kausalität ist freilich nicht belegt, sondern eine mögliche Hypothese im Rahmen der Ermittlungen. Eine ebenfalls nicht unwahrscheinliche These ist Betrug an hoffnungslos erkrankten Menschen.

Jenseits der Faktenlage setzen die Gralshüter der reinen Lehre von der evidenzbasierten Medizin eine Welle der Entrüstung in Gang und assoziieren: Heilpraktiker gleich Homöopathie gleich irrationale Verschwendung in der GKV.

Es gehört aber auch zu den Tatsachen, dass sich der Glaube an die Homöopathie vor allem in den Köpfen keineswegs bildungsferner Schichten festgesetzt hat - und gerade diese Klientel bei Krankenkassen wegen ihres hohen Deckungsbeitrags besonders begehrt sind.

Da Glaubenssachen nun einmal nicht zu diskutieren sind, hat der Gesetzgeber auch der GKV gewisse Freiheit gelassen. Das kostet GKV und PKV 100 Millionen Euro, 1,20 Euro pro Bürger im Jahr -eine homöopathische Dosis im Versicherungstopf.

Lesen Sie dazu auch:
Homöopathie: 1,20 Euro für die Globuli

[01.09.2016, 15:06:12]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Hanns Soblik
Wenn ich den Tenor Ihres Beitrags richtig deute, sind Sie der Meinung, dass 100 Millionen Euro beziehungsweise 1,20 Euro pro Kopf pro Jahr eine unwesentliche Größe im Versicherungstopf sind. Diese Auffassung wäre vielleicht diskutabel, wenn

1. Die Kassen nicht immerfort nach neuen Sparmöglichkeiten im Leistungskatalog suchen würden – auch bei Leistungen, welche weit weniger Kosten als 100 Millionen Euro verursachen
2. Die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel nicht im Rahmen des Nutzenbewertungsverfahrens zusätzlich zum Nachweis der Wirksamkeit, Sicherheit und Unbedenklichkeit – welche im Zulassungsverfahren erbracht werden – auch noch den Zusatznutzen nachweisen müssten.
3. Die Krankenkassen bei den Generika mittlerweile nahezu jeden Wirkstoff ausschreiben würden, um auch hier noch den letzten Euro zu sparen.

Vor diesem Hintergrund finde ich Ihren Standpunkt nicht richtig und denke, dass Präparate, deren Wirksamkeit allein auf dem Glauben und nicht auf klinisch nachvollziehbaren Ergebnissen beruhen, nicht für Marketingzwecke durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet werden dürfen.

Dr. Hanns Soblik
Apotheker aus Kiel
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[31.08.2016, 14:15:58]
Thomas Georg Schätzler 
Mein Kommentar zum würdelosen Heilpraktiker-Gesetz
Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/918316/homoeopathie-120-euro-globuli.html#comment

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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