Ärzte Zeitung, 07.12.2015

Datentransparenz

Experten: "GBA-Infos besser aufbereiten!"

Die Informationen des Gemeinsamen Bundesausschusses zur frühen Nutzenbewertung sind für Ärzte schwer lesbar, hieß es beim TK-Medica Econ Forum.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Das Verfahren zur frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln sollte für die Ärzte transparenter werden. Das würde ihnen erlauben, die richtigen Schlüsse für ihr Verordnungsverhalten zu ziehen, findet Dr. Lili Grell, Leiterin der Sozialmedizinischen Expertengruppe Arzneimittelversorgung bei der MDK-Gemeinschaft.

"Dafür bedarf es von Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses und der KVen mehr Informationen", sagte Grell beim Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse in Düsseldorf.

"Ich glaube, für Ärzte sind die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses unlesbar." Eigentlich sei es nach dem AMNOG Aufgabe des Bundesausschusses, die verordnungsrelevanten Informationen an die Ärzte zu transportieren. "Das Potenzial wird aber nicht genutzt", sagte die Ärztin.

"Wir brauchen Datentransparenz"

Sie plädierte dafür, den Zugang zu den dem Ausschuss zur Verfügung stehenden Daten zu ermöglichen. "Wir brauchen Datentransparenz für alle, auch die Patienten." Um die Patienten richtig beraten zu können, seien zusätzliche Informationen notwendig, sagte Professor Kai Daniel Grandt, Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

"Es ist wichtig, dass ich dem Patienten bei der Verordnung sagen kann, welchen Nutzen er erwarten kann und welche Risiken er zu befürchten hat." Das erwarte er.

"Man muss die praktischen Fragen der Ärzte adressieren", forderte Grandt. Dazu gehöre, dass sie wissen müssen, für welche Patienten-Subgruppen ein Arzneimittel einen Zusatznutzen hat und für welche nicht. Die Vorstellung, dass die Ärzte sich tagesaktuell auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundesausschusses informieren, sei unrealistisch.

Keine Studien geheimhalten

Johann-Magnus von Stackelberg, Vizevorstand des GKV-Spitzenverbands, hält es für notwendig, die Daten aus Studien zugänglich zu machen, indem sie in einem öffentlichen Register erfasst werden.

Es müsse verhindert werden, dass negative Ergebnisse aus Studien geheim gehalten und Dossiers mit unvollständigen Daten beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen eingereicht werden, sagte er.

Die Erstellung eines kompletten Dossiers sei mit einem großen Aufwand verbunden, der viele Unternehmen vor große Probleme stelle, sagte Dr. Andreas Kress, Leiter des Bereichs Market Access beim Pharmaunternehmen Novartis.

Für sein eigenes Unternehmen geht er aber davon aus, dass es in den vergangenen fünf Jahren keine Dossiers eingereicht hat, bei dem Daten gefehlt hätten.

Anforderungen harmonieren

Kress machte sich für eine breitere Basis bei der Nutzenbewertung nach dem AMNOG stark. "Die Fachverbände der Ärzte sollten in die Entscheidungen einbezogen werden."

Das gelte auch für die Zulassungsbehörden, die zum Teil andere Daten forderten. Für die Hersteller sei es wichtig, dass die Anforderungen an die Dossiers stärker harmonisiert werden, sagte er.

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