Ärzte Zeitung online, 18.02.2014

Fachärzte

Zulassungsstopp irritiert Sachsen

Für die großen Städte in Sachsen ist ein Zulassungsstopp für Fachärzte verhängt worden, was für Irritationen sorgt. Der Stopp sei aber die Konsequenz aus der Neugestaltung der Bedarfsplanung, erklärt die KV.

Zulassungsstopp für Fachärzte sorgt für Irritationen

DRESDEN. Zulassungsstopp in den meisten sächsischen Städten: Der gemeinsame Landesausschuss der KV Sachsen und der Krankenkassen hat Dresden, Leipzig und deren gesamtes Umland für weitere Fachärzte fast komplett dichtgemacht. Vom Gynäkologen bis zum Radiologen sind kaum noch Zulassungen mehr möglich, heißt es in einer Ende Januar veröffentlichten Anordnung des Ausschusses.

Neben Dresden sind selbst kleinere Städte wie Görlitz, Hoyerswerda oder ländliche Regionen wie die Sächsische Schweiz durchgehend gesperrt. Nur bei Hausärzten sind noch Zulassungen möglich, in Dresden allein 20 Sitze, partiell auch bei Augenärzten.

Noch drastischer ist das Bild in Leipzig und Westsachsen: Für keine einzige Fachgruppe gibt es offene Sitze - selbst bei den Hausärzten ist die Hälfte der Planungsregionen laut Bedarfsplanung überversorgt. Der Raum Chemnitz ist hingegen noch in einigen Fachgruppen geöffnet. Hier fehlen vor allem Augenärzte, aber auch Urologen und Hautärzte.

Pikant an der Entscheidung: Erst vergangene Woche hatte die DAK-Gesundheit von einer Terminnot bei Orthopäden berichtet, schreibt die "Sächsische Zeitung" empört über den Zulassungsstopp.

"Wer zum Facharzt muss, erlebt meist Ängste", sagte DAK-Landeschefin Steffi Steinicke. Rund 680 Sachsen ließen sich demnach im vergangenen Jahr einen Termin von der Kasse vereinbaren. Auch bei Augenärzten gebe es sehr lange Wartezeiten.

Ursache: Neugestaltung der Bedarfsplanung

Laut Werner Nikolay, der dem Landesausschuss vorsitzt, wird der Versorgungsgrad in den Regionen jedes Quartal neu überprüft. Die weitgehende Sperrung sei nicht über Nacht erfolgt, sondern schon eine längere Erscheinung.

Ein Grund sei auch die im vergangenen Jahr geänderte Bedarfsplanung. Die Probleme bei Augenärzten seien ihm bekannt - dies habe aber oft nur wenig mit einer Über- oder Unterversorgung in einer Region zu tun. Dresden beispielsweise sei mit Augenärzten zu 123,5 Prozent statistisch sehr gut versorgt.

Bei der KV Sachsen (KVS) wundert man sich ebenfalls über den Zeitungsbericht. "Die Zulassungssperren bestehen in den meisten der genannten Facharztgruppen bereits seit langer Zeit", erklärt Sprecher Ingo Mohn.

Mit Einführung des Demografiefaktors in die Bedarfsplanung im Jahr 2011 hätten sich in einigen Arztgruppen zwar Zulassungsmöglichkeiten ergeben. Doch diese seien schnell besetzt gewesen.

Die Folge: neue Sperren. "Insofern ist die Neugestaltung der Bedarfsplanung im Jahr 2013 nicht ursächlich für die Zulassungssperren in den genannten Arztgruppen", so Mohn. (rbü)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »