Ärzte Zeitung, 28.03.2014

Notdienst in Bayern

Weniger Bezirke und längere Wege

Die KV Bayerns stellt den Bereitschaftsdienst neu auf. Für Ärzte reduzieren sich die Dienste. Doch an der Basis regt sich Kritik: Die neuen Gebiete seien zu groß.

Von Jürgen Stoschek

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Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns krempelt den Bereitschaftsdienst im Freistaat um - die Bezirke werden weniger, aber dafür größer.

© Michael Reichel / ZB / dpa

MÜNCHEN. Die Neuordnung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Bayern soll bis Dezember kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann wird es im Freistaat statt mehr als 460 nur noch 197 Bereitschaftsdienstgruppen geben, berichtete der Vorsitzende der KV Bayerns (KVB), Dr. Wolfgang Krombholz, bei der Vertreterversammlung.

In jeder Bereitschaftsdienstgruppe werden sich mindestens 15 Ärzte den Dienst teilen. Derzeit gibt es landesweit noch 87 Gruppen, in denen die Mindestzahl von 15 Ärzten unterschritten wird, darunter allein 34 Gruppen mit weniger als neun Ärzten, die den Bereitschaftsdienst regelmäßig übernehmen.

Folge der Neustrukturierung des Allgemeinen Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die von der Vertreterversammlung nach anderthalbjähriger Vorbereitung Ende 2012 verabschiedet worden war, ist die Zusammenlegung kleiner Gruppen, so dass dadurch neue und größere Dienstgebiete entstehen.

Manche Ärzte haben dafür wenig Verständnis. "Als Landarzt in Schwaben hatte ich bereits das Vergnügen, in einer der neuen Großzonen Dienst zu schieben", beklagte sich Dr. Richard Harslem aus Diedorf in Schwaben.

Sein bisher weitester Nachteinsatz habe eine Fahrtzeit von 47 Minuten auf freier Strecke erfordert, so der Hausarzt. Und ein Kollege habe für zwei Hausbesuche am anderen Ende des Dienstbezirkes vier Stunden Einsatzzeit und 150 Kilometer Fahrstrecke benötigt, ärgerte sich Harslem über die "irrsinnige" Ausweitung der Dienstbezirke.

Mit der Neuordnung des Bereitschaftsdienstes werde erreicht, dass die Ärzte künftig nur noch maximal sechsmal im Jahr Bereitschaftsdienst haben werden, erklärte Krombholz gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Hausbesuch nur noch bei Notwendigkeit

Dadurch verringere sich nicht nur der berufliche Stress für den einzelnen Arzt. Auch die Belastung für die Familie werde geringer.

Die Umstrukturierung sei nach Anhörung aller jeweils betroffenen Bereitschaftsdienstgruppen erfolgt, betonte Krombholz. Die jetzt von Harslem kritisierte neue "Großzone" sei mit jetzt 33 Teilnehmern sogar vergleichsweise gut ausgestattet.

Dass durch die Zusammenlegung längere Fahrtzeiten entstehen, sei nicht zu vermeiden und zumutbar. Nicht zuletzt deshalb seien auch die Wegepauschalen praktisch durchgängig verdoppelt worden.

So zahlten die meisten Kassen beispielsweise für Fahrten über 20 Kilometer tagsüber pauschal 67,28 Euro und nachts 77,60 Euro. Das sei zwar immer noch zu wenig, aber immerhin ein Anfang.

Die bisher vielfach hohe Dienstfrequenz im Bereitschaftsdienst habe viele junge Mediziner davon abgehalten, sich in eigener Praxis niederzulassen, erklärte Krombholz. Durch die Umstrukturierung würden deshalb nicht nur die heute dienstverpflichteten Ärzte entlastet. Auch die Übernahme von Praxen im ländlichen Raum könnte dadurch wieder attraktiver werden, meinte er.

Im Übrigen sollen Hausbesuche im Bereitschaftsdienst grundsätzlich nur noch erfolgen, wenn dafür eine medizinische Notwendigkeit besteht, sagte Krombholz.

Nach dem Bundesmantelvertrag hätten Patienten bereits seit Jahren nur Anspruch auf einen Hausbesuch, "wenn ihnen das Aufsuchen des Arztes in dessen Praxisräumen wegen Krankheit nicht möglich oder nicht zumutbar ist".

Krombholz räumte ein, dass die Reform des Bereitschaftsdienstes in Bayern an der Basis immer wieder auf Widerspruch stößt. Inzwischen erreichten ihn allerdings auch Dankesschreiben von Ärzten, die ihn noch bis vor Kurzem heftigst kritisierten. "Dass die Kollegen jetzt wieder mehr Zeit für ihre Familien haben, wird positiv wahrgenommen", sagte er.

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