Ärzte Zeitung, 16.10.2014

Versorgungsgesetz

Scharfe Instrumente für die Selbstverwaltung

Warnschuss für die Selbstverwaltung

Härtere Vorgaben für die Selbstverwaltung kennzeichnen Gröhes Gesundheitsreform. KVen und Kassen jubeln nicht, aber für Ärzte und Patienten gibt es etliche positive Aspekte.

Von Helmut Laschet

Scharfe Instrumente für die Selbstverwaltung

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz schärft Minister Gröhe die Instrumente der Selbstverwaltung.

© maska82 / fotolia.com

BERLIN. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeigt Kante. Der bislang stets freundliche Minister hat nun ein Gesetz entwickelt, das mit der Libertinage des Versorgungsstruktur-Gesetzes seiner Vorgänger Schluss macht. Es ist ein Warnschuss an die Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen.

Das erklärt die erste, ziemlich harsch ausgefallene Reaktion der KBV auf den Referentenentwurf für das "Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VSG)", wie der offizielle Titel lautet.

Weitgehend untauglich und kontraproduktiv, so lautete das Verdikt der Spitzenorganisation der Vertragsärzte. Sie beißt sich fest an Einzelregelungen wie der Pflicht, Terminservice-Stellen zu schaffen, oder der von einer Kann- zur Soll-Regelung umformulierten Vorgabe, in überversorgten Gebieten Praxissitze aufzukaufen.

Eine Horrorzahl von 25.000 vom Netz zu nehmenden Praxen wird hier - verantwortungslos! - in die Welt gesetzt. Tatsächlich ist der Aufkauf eines Praxissitzes nur bei freiwilliger oder altersbedingter Aufgabe einer Praxis möglich.

Die Übernahme durch Familienangehörige oder Lebenspartner bleibt unberührt. Und weiterhin können Ärzte bei sorgfältiger längerfristiger Planung durch mindestens drei Jahre laufende Job-Sharing-Verträge dafür sorgen, dass die Praxis auch in überversorgten Regionen erhalten bleibt und an einen Nachfolger übergeben werden kann.

Nein, so einfach ist dieses Gesetz nicht gestrickt. Und es ist weitaus ärztefreundlicher, als im Moment das Getöse von Verbandsfunktionären erkennen lässt. Es hilft nämlich denjenigen Ärzten, die ihren Versorgungsauftrag ernst nehmen, und nimmt die Selbstverwaltung deutlich stärker in die Pflicht, die dafür notwendigen Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Investition in Allgemeinmedizin

Ein Beispiel dafür sind die geplanten gesetzlichen Vorgaben für die Förderung der Allgemeinmedizin und insbesondere der allgemeinmedizinischen Weiterbildung. Den Alarm, den zuletzt der Sachverständigenrat mit seinem im Frühsommer erschienenen Gutachten ausgelöst hat, hat das Ministerium offenbar verstanden.

Seit Jahren stagniert die Zahl der Anerkennungen im Fach Allgemeinmedizin bei unter 1000. Notwendig wären laut Sachverständigenrat etwa 3000 junge Allgemeinärzte, wenn steigende Morbidität und sich ändernde Arbeitsproduktivität als Folge des inzwischen über 60 Prozent betragenden Frauenanteils berücksichtigt würden.

Nun soll der Gesetzgeber die Reißleine ziehen: Nicht mehr nur 3842 Ärzte in Weiterbildung (gleich 2156 Vollzeitäquivalente; siehe Evaluationsbericht für 2012) sollen gefördert werden, sondern mindestens 7500. Das ist das Drei- bis Vierfache.

Auch für den Nachwuchs soll die allgemeinmedizinische Weiterbildung finanziell attraktiver werden: Per Gesetz bekommen sie das in Kliniken übliche Tarifgehaltsniveau garantiert. Zahlen müssen Kassen, PKV und KVen.

Und sichergestellt wird, dass die Förderung bei der in der Allgemeinmedizin üblichen Rotation durchgängig und über KV-Grenzen hinweg funktioniert. In unterversorgten Gebieten sollen die Förderbeträge überdies erhöht werden - und das ermöglicht zusätzliche finanzielle Anreize für junge Ärzte, aufs Land zu gehen.

Auch in der Honorarpolitik macht der Gesetzgeber dem KV- und Kassensystem Dampf. Dort, wo KVen eine unterdurchschnittliche morbiditätsbedingte Gesamtvergütung erhalten, muss einmalig im Herbst 2015 eine Korrektur vereinbart werden.

Schluss gemacht wird auch mit dem beliebten Ping-Pong-Spiel im Bewertungsausschuss bei der Einführung neuer Leistungen. Was der Bundesausschuss als medizinisch zweckmäßig und wirtschaftlich anerkannt hat, muss sechs Monate später im EBM stehen und abgerechnet werden können.

Dies gilt auch für neue Leistungen wie das Recht von Patienten auf eine Zweitmeinung. Versäumen die Vertragspartner die gesetzliche Frist, so kann der Arzt per GOÄ abrechnen, und der Versicherte erhält Anspruch auf Kostenerstattung.

In einem Punkt werden sich allerdings auch Ärzte selbst vorsehen müssen: Wer Vertragsarzt ist, hat einen Vollversorgungsauftrag und darf es sich nicht in einer Nische bequem machen.

Ob ein Arzt diesen Auftrag tatsächlich wahrnimmt, muss die KV künftig anhand der Leistungsdaten überprüfen - und gegebenenfalls Sanktionen aussprechen. Schlussendlich ist dies aber im Interesse von Versorgerpraxen sinnvoll.

Und was ist mit Sanktionen?

Insgesamt setzt das VSG freilich auf die Partner der Kollektivverträge und schärft die Instrumente, damit KVen und Kassen ihre Pflichten erfüllen. Mehr Pflicht, weniger Freiheit - das ist die Devise.

Offen bleibt, wie Gesetzesverstöße oder Missachtung sanktioniert werden sollen. Verschleppungstaktiken waren in der Vergangenheit keine Seltenheit.

Etwas erleichtert werden sollen besondere Versorgungsformen: die hausarztzentrierte Versorgung nach Paragraf 73 b und die integrierte Versorgung nach Paragraf 140 a, in der nun auch die besondere ambulante Versorgung nach Paragraf 73 c aufgeht.

Die wirtschaftlichen Restriktionen, die noch die Vorgänger-Koalition für Hausarztverträge errichtet hatte, werden nun aufgegeben. Vier Jahre haben Partner innovativer Versorgungsformen Zeit, ihre Wirtschaftlichkeit unter Beweis zu stellen.

Mit einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro - bei einem Gesamtbudget der GKV von 200 Milliarden Euro - fristen Selektivverträge immer noch ein Schattendasein und sind keine Alternative zur kollektivvertraglichen Versorgung.

Ob der Innovationsfonds von 300 Millionen Euro eine Initialzündung leisten wird, bleibt im Moment Spekulation.

Lesen Sie mehr über das geplante Versorgungsstärkungsgesetz:
Scharfe Instrumente für die Selbstverwaltung
Neue Leistungen für GKV-Versicherte
Sichere Versorgung wird Pflicht für Kassen und KVen

[19.10.2014, 18:14:38]
Jamshed Poonawalla 
Das sind keine Vorteile, sondern politisch strukturierte "akzeptanfördernde Maßnahmen"
Das Herausstellen der Vorteile in den berufs-spezifischen, unabhängigen Kommunikationskanälen sind bloß "Akzeptanfördernden Maßnahmen".

Es ist einfach besser, wenn man die Fach-Zeitschriften in die Hand nimmt, und nur positive Berichterstattungen lesen kann. Dieses permanente Nörgeln der Bürger bringt die Politik in ihren Vorhaben ja nicht weiter^^

Es geht bestimmt darum, daß beim Modell-Start des eGK-Projektes doch besser noch ein paar "akzeptanfördernde Maßnahmen" in die Kommunikationskanäle mit eingestreut werden sollten, damit die involvierten Berufsvertretungen, und speziell die Allgemeinmediziner in ihren kosten-ineffizienten und verkrusteten Einzelpraxis-Strukturen, im Alltag nicht so dolle skeptisch gegenüber der geplanten neuen tollen und innovativen Telematik-Infrastruktur und dem eHealth-Gesetz sein sollten^^

 zum Beitrag »
[19.10.2014, 00:04:07]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Verehrter Herr Laschet absolut logisch, dass die Wartezeiten kürzer werden,
.... wenn Praxissitze geschlossen werden sollen.
Warum ist man nicht früher drauf gekommen? zum Beitrag »
[17.10.2014, 19:43:12]
Dr. Henning Förster 
AU Regreß
tja, das ist schon interessant. Überall werden die Vorteile herausgestellt, die das Gesetz der Allgemeinmedizin bringen soll. Politiker rühmen sich für ihre Förderung der Allgemeinmedizin.
Niemand erwähnt die Fallstricke, die vermutlich die Kassenlobby durchgesetzt hat. Neben den Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei Arznei-, Heil-und Hilfsmitteln gibt es in Zukunft die Möglichkeit für Kassen und Arbeitgeber Schadenersatz einzufordern bei zu Unrecht ausgestellten AU Bescheinigungen. Wer entscheidet denn darüber ob eine AU zu Recht oder zu Unrecht, korrekt oder zu lang ausgestellt wurde ? Der MDK etwa ?
Der verlängerte Arm der Kassen ? Dessen Mitglieder sind ja bereits heute so begnadet sind, ohne die Patienten jemals gesehen zu haben über zig Kilometer eine AU zu beurteilen und in der Regel zu beenden. Da fragt übrigens Niemand, ob diese Beendigung zu Recht oder zu Unrecht erfolgt ist, schon gar nicht die Kassen.
Die "Unabhängigkeit" des MDK existiert auf dem Papier, die Verwaltungsräte des MDK sind durchsetzt mit früheren oder noch aktiven Kassenfunktionären. In Zukunft entscheiden also die Kassen, ob ein Patient zu Recht oder Unrecht arbeitsunfähig geschrieben wurde. Gleiches gilt für Überweisungen und Klinikeinweisungen, die zukünftig auch auf ihre Berechtigung überprüft werden können und ggfs. sanktioniert werden können.
Es sind aber gerade die Hausärzte, die die meisten AU-Bescheinigungen, Über- und Einweisungen schreiben.
Gegen sie hat man also ein neues Druckmittel in der Hand. Daß das junge Ärzte in die Hausarztpraxis lockt ist wohl kaum anzunehmen. Vermutlich ist das ja auch der Sinn der Sache, denn die Kassen sind doch überhaupt nicht an einer Stärkung der wohnortnahen Versorgung interessiert. Zwischen ihren öffentlickeitswirksamen Bekenntnissen zur Förderung der Allgemeinmedizin und der täglichen Schikane in der Praxis liegen doch Welten !
Bei Beteuerungen zur Stärkung der Landärzte durch Kassenfürsten kommt mir immer das Datum 15.6.1961 in den Sinn, der Tag an dem der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht mit der Aussage "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen" den Satz sagte, der sich nur 2 Monate später als eine der größten Lügen der jüngeren deutschen Geschichte erwies. zum Beitrag »
[17.10.2014, 12:06:24]
Jamshed Poonawalla 
Tja, liebe Ärzte - Willkommen im Club^^

Hier geht es um einen Angriff auf die Freiberuflichkeit.

Ich bin Apotheker und beschreibe mal unsere Situation, als Partner der Ärzte im Gesundheitswesen. ...ich sage aber nun schon seit 2006, daß die beiden Themen "Europa" und "Internet" bisher nicht gut in unsere deutschen Strukturen der Kammerberufe eingebunden sind.

Früher konnte man eine Apotheke betreiben.
Da konnte man sich einleben, alles bestmöglich optimieren und individualisieren. Wenn man das bestmöglich getan hat, kam man an so einen Plateau-Punkt im Leben, an dem sich bestimmt früher viele heute langjährigen Ehrenamtler gedacht haben, ihren Elan für den Beruf im Ehrenamt auszuleben.

Heute kann man 4 Apotheken betreiben.
Es ist überhaupt gar keine Kostenersparnis für die GKV durch das 4er Modell vorhanden. Es würde auch nicht effizienter werden, wenn man den Fremdbesitz oder Ketten hätte. Viele Beispiele belegen das deutlich.
Wenn man sich in 4 Apotheken eingelebt hat, alles bestmöglich optimiert, individualisiert und bestmöglich geregelt hat, dann geht die Telefon-Anlage kaputt, oder bspw. die USB-Schnittstelle mit der man die Kühlschrank-Temperatur halbjährlich zwecks Dokumentation auf den PC zieht, usw…

Irgendwann, ab einer gewissen Größe oder Mitarbeiter-Anzahl, kann man sich bestimmt bequem aus dem Tages-Geschäft zurückziehen, und ist dann "Mädchen für alles" innerhalb des Filialverbundes, aber kein Apotheker mit Kundenkontakt im klassischen Sinne. Diese Kollegen legen dann verständlicherweise gerne mal die Füße hoch, anstelle sich aktiv für die Berufsvertretung zu engagieren.

Das ist nachvollziehbar, aber schlecht für Freiberufler, den wir brauchen ja das Ehrenamt alleine schon für die "Selbstverwaltung".
Wir Apotheker sind heute ja nur noch kanpp 16.500 Freiberufler mit knapp 20.000 Betriebsstätten. Vor Zehn Jahren waren wir noch 21.000 Freiberufler. Das der Umsatz dann zu den anderen Freiberuflern wechselt kann sich im Grunde jeder ausrechnen.

Noch in diesem Jahr geht der Umsatz noch weiter hoch, weil dann Sovaldi und Co. mit in die Umsatzberechnung eingehen.

Dann sind die Apotheker von jetzt auf gleich fast anderthalb mal so reich wie vor Sovaldi & Co.^^ lol

Was machen wir mit dieser neuen Erkenntnis?

Seit der FDP werden wir Apotheker für die Politik offensichtlich nur noch als Freiberufler in einer Statistik geführt. Dort finden sich dann lustige Kennziffern wir Umsatz und Rohertrag

Man hat damals, politisch indirekt, die Offenlegung der Einkommen der Freiberufler erzwungen, in dem die Einkommen und die Umsätze der Freiberufler klassifiziert wurden. Damit man dann beim Fototermin, an dem jeder normale Mensch arbeitet, schön der Presse zeigen, daß Umsatz und Ertrag schön wachsen.

...und deswegen sind die deutschen Freiberufler der Wachstums-Motor der Deutschen Wirtschaft^^

Blah blah blubdiwupp...

Das ist so Flach und absurd, das ist fast schon belustigend.

Klar steigt der Umsatz und der Ertrag kontinuierlich und überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen.
In der Statistik fehlt ja, daß die Anzahl der Freiberufler politisch bewusst gesteuert abnimmt, weil die überdurchschnittlichen Umsatz- und Ertrags-Steigerungen aufgrund eines Kannibalisierungs-Schemas nur wegen dem politisch gewollten 4er-Mehrbesitz künstlich auf dem Papier erzeugt werden. Wir sind nur noch 16.500 Freiberufler, und poltisch als kleines Freiberufler-Grüppchen inzwischen vermutlich zu unwichtig, als dass man unsere Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen wollte.

Wie finden eigentlich die Ärzte diese politisch befeuerte Kannibalisierungs-Taktik?

Ist das okay von der Politik ?
Uns hört ja kein Politiker mehr zu, wenn es um das Thema geht.

Die Ärzte und Apotheker werden inzwischen ja wegen jedem Fleck auf dem Hemd öffentlich negativ bewertet.

Wer bewertet eigentlich die Politik mit ihrer unmenschlichen Kannibalisierung-Taktik?

Bei den Ärzten wird diese Kannibalisierungs-Taktik vermutlich exakt identisch ablaufen: Erst sollen die Ärzte in ihren verschiedenen Verbänden auseinander getrieben werden, damit das politische Gewicht der Freiberufler abnimmt.

Dann wird dem ärztlichen Ehrenamt Nachwuchs fehlen, weil die neuen Anforderungen an die modernen Kommunikationswege erst eine gewisse Zeit brauchen, bis neue IT-affine Strukturen in die Berufsvertretungen, und dazwischen, als Brückenköpfe zwischen den Berufen implementiert werden.

Der ganze Rest drumherum ist eigentlich nur Deko.

Sie fragen Sich vielleicht, wer die Politik auf solche skurrilen Ideen bringt?
Schauen Sie doch einfach mal hier hin:
https://www.yl-gesundheitsparlament.de/fileadmin/user_upload/mediathek/Parlamentssitzung_Mediathek/YLG_-_Ergebnisbericht.pdf

Diese "Laien" machen nix anderes, als was deren Geldgeber erwarten^^

Eigentlich müssten in Deutschland aber die Kammern die Ansprechpartner der Politik für solche Themenkomplexe sein.

Ich denke, daß hier auch eine Menge Wind bläst, ohne daß wir es auf dem Radar haben. Die EU-Politik redet oft und gerne von den sogenannten "Nationalen Parlamenten". Jeder halbwegs anständige Bürger assoziiert damit ja unser Berliner Parlament, aber wenn man es ganz genau nimmt, dann gehören die nicht zu den EU-Organen.

Das YL ist so ein EU-Organ. Wenn die EU-Politik die nationalen Parlamente meint, dann meinen die z.B. auch das YL-Gesundheits-Parlament. Ich würde das nicht unterschätzen.

Eigentlich müssten ja die Kammern der Ansprechpartner der Politik sein, aber inzwischen werben die Laien ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Auf folgendem Link suchen die auch ganz offen und selbstverständlich Leute. die die "künftige europäische Gesundheitspolitik mitgestalten."

Man muß das YL auch mal um Gesamt-Politik-Umfeld sehen. Auch wenn es keine richtige Verbindung zwischen dem YL und unserem BMG gibt, werden sich die Leute vom BMG durch die "tollen" Ideen des YL beeinflussen lassen. Das BMG wird ja auch lobbyiert.

Das hat nur leider seit Jahren schon nix mehr mit der Realität außerhalb Berlins zu tun. Ausserdem ist es für Politiker viel angenehmer mit Leuten zu sprechen, die die gleiche Sprache sprechen.

Das YL redet von Erfolgsorientierte Vergütung, Erfolgsindikatoren, Medizinischer Concierge,Sektorenöffnung, Reformen, Gesundheitsautorität usw...

Es ist viel einfache über Leute und Berufsgruppen zu reden, als mit den Leuten in den Berufsgruppen. Für mich ist das seit vielen Jahren schon ganz klar.

Das YL nutzt zur Kommunikation viel schönere Worthülsen, als unsere Standespolitik erzeugt.

Unsere deutschen Politiker auf regionaler und Landesebene peilen es irgendwie nicht, daß die beim YL in einer Art virtuellen klickibunti-watteweichen Welt voller persönlicher Gesundheits-Manager leben, die dann ihre Gesundheitsautorität nutzen, um für den Patienten mit Gesundheits-Optimierungs-Absichten jeweils den passenden Gesundheitsdienstleister aus einem stylischen Bewerungs-Portal zu empfehlen.


...ich weis nicht. So stelle ich mir die Zukunft hier im Dorf irgendwie nicht wirklich vor.

Die Regionalen und Landes-Politik-Verbände sehen nur, daß alles immer schlechter wird, und vertrauen auf die Bundesebene. Die Bundesebene aber sitzt in einem Bundesraumschiff völlig abgehoben, vom YL gelenkt, an der Realität vorbei und nimmt Kurs auf Irgendwo.

Ich habe auch mal bei einem Video mitgemacht, in dem ich die Vize-Präsidentin des EU-Parlamentes mal zu einigen Sachverhalten gefragt habe.
Ist vielleicht nicht ganz uninteressant, um sich mal ein Wochenende mit diesem Kommentar zu befassen:

http://youtu.be/KAC5OkZMHCI?t=4m10s

Klar wird, daß für die EU-Parlamentarier das englische Wort "Chambers" mehr oder weniger nur mit den Handels-"Kammern" assoziiert wird. Die Handelskammern sind demnach über das Europa-Parlament schon mit einer Art mehrsprachigem Netzwerk ausgerüstet, aber die Berufs-Kammern noch nicht. Wir brauchen aber ein funktionierendes, mehrsprachiges Netzwerk der Kammerberufe in der EU.

Eigentlich hatte ich gehofft, daß die Kammerberufe sich endlich mal meine Fragen und die dazugehörigen Antworten von Fr. Druant mal zu Herzen nehmen, und gemeinsam darüber nachdenken, wie man mit so einem Problem fertig wird. Ist leider nicht geschehen und das Problem wird immer aktueller...
Kurz danach ist ja dieser Streit beim BFB ausgebrochen, wo die Ärzte ausgetreten sind, weil die Mitgliedschaft so teuer ist usw..

Politik ist manchmal wie ein Kindergarten, finde ich.

Es gäbe ja wirklich viel dringendere Probleme, als die Mitgliedschaftsgebühr, un unter uns gesagt, wenn die Ärzte auch eine "Ärzte-API" bauen wollen, dann könnten die über den Fördertopf Horizont-2020 ja auch Fördermittel für den Aufbau beantragen, und somit würde sich die Mitgliedschafts-Gebühr beim BFB spätestens dann vielfach gelohnt haben, wenn es darum geht, die Schnittstellen zwischen den Berufen abzudecken.

Ganz am Ende vom Video frage ich auch gezielt nach unserem BSG. Es ist ja auf EU-Ebene kein EuSG geplant, d.h. die vom BSG können und werden hier alles kaputtsparen und das EU-Parlament behält sich so etwas wie eine Veto-Funktion vor. Anders und völlig wertfrei ausgedrückt: Wenn man einen Job sucht, dann geht man nach Deutschland, aber die eingezahlte Kohle deckt nicht die Gesamtkosten. Man braucht selbstverständlich auch ein EuSG auf EU-Ebene, aber das scheint denen irgendwie zu kompliziert zu sein...

Diese damit verbundene Veto-Funktion werden die wohl kaum für uns in Deutschland ausüben, wenn man man so darüber nachdenkt^^


Hier mal mein Exposé zum Thema IT-Netzwerk der Kammerberufe:
http://goo.gl/f8m22R


Das Exposé erscheint ihnen vielleicht an manchen Stellen wirr und durchzogen von meinem subjektiven Empfinden, aber ich habe einfach mal grob, alles was mich die letzten zehn Jahre beschäftigt, innerhalb einer Woche runtergeschrieben.

Es soll keine spezielle Präsentation sein, sondern erstmal nur aufzeigen, welche Problemfelder ich als Berufsanfänger direkt erkennen kann, und auch welche Emotionen einen überkommen, wenn man versucht, sich sinnvoll in die Berufsvertretung einzubringen.

Klar ist das wirres Zeug für einen Außenstehenden^^, aber das Grundprinzip des beschriebenen IT-Tandem-Modells für Kammern und Verbände kann man als Paradigma auf alle freien verkammerten Berufe anwenden.
Wenn nur wir Apotheker uns solche IT-Strukturen antun wollen, ist es sowieso von vorne herein überflüssig, weil die Kompetenzen zwischen den Berufen ja das wirklich wichtige sind.

Beschrieben habe ich ein IT-Tandem-Modell, mit dem wir unter Zuhilfenahme von Fördermitteln eigene IT-Strukturen für unsere deutschen berufsständischen Kammern aufbauen könnten.

Ich mal mir das stark vereinfacht so aus, daß man eine Kompetenz-Matrix für „alles“ aufstellt, und diese zwischen-berufliche Matrix dann bei den Ingenieuren in den VDI-Richtlinien o.ä. fest als Datenbank installieren kann. Dann wäre schon der erste Brückenschlag zu einem anderen Kammerberuf (Ingenieure) gemacht...

Bald fluten sowieso neue Technik-Standards wie Apple Health-App und der ganze Kram die Arztpraxen/Apotheken, spätestens dann wären gemeinsame Technik-Standards sinnvoll, und auch die Berufsvertretung wird dann Leute brauchen, die das Thema EDV zumindest ganz grob verstehen.

Sieht vielleicht viel aus, aber wenn Sie es sich einigermaßen aufmerksam durchlesen mögen, und versuchen alles erstmal grob zu verstehen, dann wären Sie in 1-2 Stunden damit durch und könnten mich, und meine Intention besser verstehen.

Dann könnte man, wie im richtigen Leben auch, einen Schritt vor den anderen tun.

Ich hoffe wirklich sehr, daß den Kammerberufen langsam klar wird, in welche Intrige sie hineingezogen werden.

Dann könnte man sich im Konsens beim Bund-Freie-Berufe wieder auf das, eigentlich auch heute noch aktuellen, Grundprinzip der Verbände/Kammern berufen: "Einer für alle, alle für einen“.

Viel Spaß & gutes Gelingen :-D zum Beitrag »
[17.10.2014, 10:00:39]
Dr. Richard Barabasch 
Das Kreuz mit der Subjektivität
Mit dieseem Kommentar von Herrn Laschet kapierte ich endlich, dass "Ärztzeitung" nicht meint "Zeitung für Ärzte und deren Alltagsprobleme" - sondern "Zeitung für Ärzte, die die Politik, die über ihre Köpfe hinweg gemacht wird, nicht verstehen können". Und dann wird politikfreundlich den Ärzten, die Politik feindlich gegen ihren ganz "normalen" Alltag gerichtet erleben vom (auch) "grünen Schreibtisch des Theoretikers" herab erklärt, dass sich jene Ärzt-Innen doch täuschen, dass sie nur nicht die Zeit hatten, diese 168 Seiten "in Ruhe" durchzulesen und dass "das alles" gar nicht so schlimm sei.
Nein, Herr Laschet, mit solcher Sicht und Kommentierung haben Sie das Thema verfehlt und treffen Sie nicht ins Herz der betroffenen Ärzt-Innen. Es mag ja durchaus beabsichtigt sein, was Sie lobend herausstellen - aber es betrifft ledigleich Randgebiete des eigentlichen Problems und vermindert dieses keineswegs: ungezügelte und gewillkürte Regressdrohungen ins Privatvermögen, Arbeitspflicht ohne eine Andeutung von Arbeitsschutzrechte, nicht verstehbare Bürokratie-Pflicht und Raub an Zeit für persönliches Sein. Solange diese Bereiche keine WERT-Schätzung erfahren von "der Politik", die Gesetze macht für die Betreuung von 95 % des Klientels in Praxen, die Krankenkassenpflichtversicherte betreuen - solange wird es nichts ändern an dem, was alle Niedergelassenen betrifft und bedrückt,
verspricht
R.B: zum Beitrag »
[17.10.2014, 07:33:09]
Dr. Christian Schulze 
Geldanreize sollten den Patienten lotsen...
Was bringt es denn dem Hausarzt, wenn er sehr breit den Patienten abarbeitet und dann dennoch an einen Punkt kommt, wo der Facharzt drauf schauen muss. Sei es bei dringendem Verdacht auf Hautkrebs oder neurologischen Ausfällen, die einer Abklärung bedürfen. Ist dann jedes mal sinnvoll, sich in eine endlose Schleife besetzter Leitungen zu hängen und zu telefonieren??? Die Regierung sollte lieber die Praxisgebühr für direkte Facharztinsanpruchnahme in Höhe von 50 Euro einführen, gleichzeitig die Fallpauschale verdoppeln, 25% Neupatientenannahme, die 3 Quartale nicht mehr beim Facharzt waren und dann reichts auch, die Hälfte der Patienten aber dafür gründlich und mit Ergebnis zu untersuchen...
Außerdem nimmt man den elenden Druck aus dem ganzen System und fördert die Gesundheit von Patienten wie Ärzten gleichermaßen.
Aber warum einfach und sinnvoll, wenn es auch kompliziert geht... zum Beitrag »

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