Ärzte Zeitung, 03.07.2015

KV Sachsen

427 Praxen stehen auf dem Spiel

Die KV kündigt Widerstand gegen die Aufkaufregel an. Terminvermittlung sieht man im Freistaat entspannt.

DRESDEN. Die KV Sachsen hat Widerstand gegen den im Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) vorgesehenen Aufkauf von Arztpraxen in überversorgten Gebieten angekündigt.

"Wir werden alles dafür tun, dass diese Regelung in Sachsen nicht zum Tragen kommt", sagte Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Kaminsky. Die Maßnahme sei nicht dazu geeignet, unterversorgte Regionen zu stärken.

Die Regelung soll bei der Nachbesetzung eines Arztsitzes greifen. Im VSG ist vorgesehen, dass eine KV eine Praxis aufkaufen "soll", wenn für bestimmte Arztgruppen und Planungsbereiche ein Versorgungsgrad von 140 Prozent erreicht ist.

Das Geld, das die KV für die Entschädigungszahlungen aufbringen müsse, werde an anderer Stelle dringender gebraucht - etwa für die Förderung des ärztlichen Nachwuchses, kritisierte Kaminsky.

Außerdem sei es eine "politische Annahme", dass die Regelung das Versorgungsniveau in Stadt und Land angleiche. Durch die in Sachsen vorliegenden Zahlen sei dies zumindest nicht zu belegen.

"Überschaubares Problem"

Die KV Sachsen hat ausgerechnet, dass derzeit 427 Facharztpraxen auf Basis dieser 140-Prozent-Regelung nicht nachbesetzt werden dürften. Davon befinden sich aber nur 187 in den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz.

Die übrigen 240 liegen außerhalb der Ballungszentren. Ein Praxisankauf komme dem ländlichen Raum also nicht automatisch zugute, erklärte Kaminsky.

Kein Problem hat die KV Sachsen mit der Einrichtung einer Terminvergabestelle - die gibt es schon seit November 2014 im Freistaat.

Die Bilanz nach sechs Monaten: "Ein überschaubares Problem", so Kaminsky. 1270 Menschen haben sich bislang an die Terminvermittlung gewandt, 1077 davon waren eh vermittlungsfähig.

Von diesen 1077 Patienten konnten 712 binnen vier Wochen an einen Facharzt vermittelt werden, bei 270 dauerte es etwas länger. Bei den übrigen kam eine Vermittlung aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande.

Am häufigsten gefragt waren Neurologen, Psychotherapeuten und Augenärzte. Das von ihr erarbeitete Modell will die KV Sachsen vorerst beibehalten. Verzichten will sie weiter darauf, Patienten bei erfolgloser Facharztsuche letztlich in ein Krankenhaus zu schicken, wie es das VSG vorsieht. (lup)

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