Ärzte Zeitung, 01.02.2008

Hausärzte demonstrieren ihre Stärke

Über 7000 Kollegen protestieren in Nürnberg / Viele entscheiden sich zum Ausstieg aus dem GKV-System

NÜRNBERG (sto). Bayerns Hausärzte haben am Mittwoch ein ganz starkes Signal der Geschlossenheit gesetzt. Mehr als 7000 Kollegen protestierten in Nürnberg auf der bislang größten Protestaktion von Hausärzten in Bayern gegen geringe Honorare und überbordende Bürokratie. Viele erklärten schriftlich ihren Ausstieg aus dem GKV-System.

Lautstarker Protest der bayerischen Hausärzte: In der Nürnberg Arena schwappte die Stimmung über.

Fotos: do

Als "vollen Erfolg" hat der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Dr. Wolfgang Hoppenthaller, die Korbveranstaltung bezeichnet. Am Ende der dreistündigen Veranstaltung konnten die Teilnehmer in eigens aufgestellten Wahlurnen ihre Erklärung abgeben, dass sie bereit sind, ihre Zulassung als Vertragsarzt zurückzugeben. Viele Hausärzte machten von dieser Möglichkeit unmittelbar Gebrauch, andere wollen sich in den nächsten Tagen entscheiden. Erste Ergebnisse sollen voraussichtlich schon in einigen Tagen bekanntgegeben werden.

Die Veranstaltung in der Nürnberger Arena als erster Schritt für den kollektiven Ausstieg der Hausärzte aus der Gesetzlichen Krankenversicherung sei für die gesamte Vertragsärzteschaft in Deutschland und für die ambulante Versorgung ein "geschichtsträchtiger Tag", so Hoppenthaller.

"Wir wollen raus aus diesem Zwangssystem von Kassen und KVen", sagte er in seiner immer wieder von Beifall und Jubelrufen unterbrochenen Rede. Mit dem Ausstieg aus dem Kollektivvertragssystem von Kassen und KVen betrete die Hausärzteschaft in Bayern Neuland. Dazu gehöre Mut.

Hoppenthaller: "Im KV-System können wir Hausärzte nichts mehr erreichen." Im April soll es in Baden-Württemberg eine ähnliche Protestveranstaltung geben, bei der die kollektive Rückgabe der Kassenzulassung auf der Tagesordnung steht.

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"Dieser Tag wird in die Geschichte der GKV eingehen"

DAS SAGT DIE KASSENÄRZTLICHE VEREINIGUNG:
Protest wird akzeptiert, aber nicht die Strategie

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Es geht um die Zukunft der Hausarztversorgung

Lesen Sie dazu auch im Gespräch:
Proteste in Nürnberg - Beifall von Patienten und Politikern

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Berufspolitik (17090)
[04.02.2008, 07:26:52]
Dr. Thorsten Grebe  diegrebes@online.de
Ade, GKV-KV-EBM-ICD-und anderer Unsinn
Zunächst freue ich mich für unsere hausärztlichen Kollegen für Ihre Einigkeit und wünsche ihnen das Durchhaltevermögen der Lokführer. Meines Erachtens nach ist das die Gelegenheit für uns Fachärzte den hausärztlichen Kollegen an die Seite zu springen und dem irreparabel veralteten Kassensystem den Rücken zu kehren. Als Zielrichtung gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: 1. die marktwirtschaftliche Lösung mit integriertem Sichheitsnetz: Leistungsorientierte Abrechnung wie im privaten Versicherungssystem mit einer allgemeinen Grundversicherung für Kinder und akut lebensbedrohliche Erkrankungen(Sportverletzungen z.B. ausgeschlossen) und 2. die Camelot-Lösung bei der der Arzt dafür belohnt wird, dass sein Patient gesund ist: Der Arzt bekommt pro Patient in seinem Einzugsgebiet eine feste Summe pro Jahr und für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit wird ihm ein Teil davon abgezogen.
Dr. Thorsten Grebe, niedergel. HNO-Arzt in München zum Beitrag »

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