Ärzte Zeitung, 13.05.2008

HINTERGRUND

Ärztemangel - neue IV-Projekte sollen Versorgung sichern

Von Angela Mißlbeck

 Ärztemangel - neue IV-Projekte sollen Versorgung sichern

Auf enge Kooperation - auch zwischen Ärzten - setzt das neue Projekt.

Foto: imago

Zwei Ärztenetze wollen in Kooperation mit der AOK Brandenburg, der Barmer und der KV Brandenburg die Versorgung in von Ärztemangel bedrohten Regionen Brandenburgs verbessern. Dazu haben sie Verträge zur Integrierten Versorgung (IV) geschlossen.

"Wir sind in einer Situation, in der wir zur Stärkung der medizinischen Versorgung die eingefahrenen Wege verlassen und Neues anbieten müssen", sagte Brandenburgs AOK-Chef Frank Michalak bei der Vorstellung der beiden Projekte. Für die Barmer gelten die Vorhaben als "Referenzmodelle einer regionalen Vollversorgung für das gesamte Bundesgebiet", so der IV-Spezialist Ralph Heger von der Barmer Niederlassung Berlin-Brandenburg.

Ziel ist die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung

Die beiden regionalen IV-Modelle erheben den Anspruch, flächendeckende Vollversorgung zu gewährleisten. Sie sind zum 1. April im Kreis Belzig und in Südbrandenburg gestartet und offen für alle volljährigen Versicherten der beiden Krankenkassen. Im Fokus stehen in erster Linie chronisch Kranke.

Vertragspartner der beiden Krankenkassen sind im südbrandenburgischen Elbe-Elster-Kreis das dortige Ärztenetz Südbrandenburg (ANSB), in Belzig der Verein Integrierte Versorgung Belzig (IVB). Den beiden Netzen gehören fast alle Hausärzte in den beiden Regionen und zudem etliche Fachärzte an. Auch die Beratungstochter KV Comm der märkischen KV ist an den Verträgen beteiligt.

Um den Patienten in den von Ärztemangel bedrohten Regionen eine adäquate Versorgung anzubieten, ist geplant, dass bis zum Jahresende weitere Spezialisten eingebunden werden, die vor Ort nicht vertreten sind. Fachärzte aus anderen Regionen sollen zudem in regelmäßigen Abständen Sprechstunden anbieten. Dieses Modell wird in Belzig im Rahmen eines IV-Vertrags zur Diabetesversorgung bereits praktiziert.

Ein Nephrologe aus Potsdam bietet Beratungen an

Am dortigen Krankenhaus ist einmal pro Monat ein Nephrologe aus Potsdam als Ansprechpartner für spezielle Patientenprobleme da. Auch die Krankenhäuser vor Ort sollen noch in die beiden Projekte einbezogen werden, um so die Informationsflüsse zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Klinikvertretern zu verbessern. Konkrete Vorgaben für bestimmte Wirtschaftlichkeitsziele oder Terminfristen bestehen nicht. Eine abgestimmte, wirtschaftliche Arzneimitteltherapie wird dennoch von den Vertragspartnern angestrebt.

Auch die Kliniken sollen in die Projekte einbezogen werden.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der engen Kooperation der Ärzte untereinander und mit den Krankenkassen. So sind unter anderem Fallkonferenzen vorgesehen, bei denen auch die extra eingerichteten Versorgungsmanager der Kassen mitwirken sollen. Sie sollen sich mit Casemanagern auf Seiten der Netze eng verzahnen. Die Ärzte verpflichten sich zudem, eine gemeinsame IT-Struktur zur Kommunikation und zur Dokumentation von Behandlungspfaden zu nutzen. Dazu hat das ANSB eine eigene Plattform entwickelt (wir berichteten).

Die Kassen stellen nach Angaben der Barmer einen Teil der extrabudgetären Vergütung als Strukturhilfe zum Ausbau der Netze und zur Einführung eines Case-Managements zur Verfügung. Die Ärzte erhalten Pauschalen für die Einschreibung und die Beratung von Patienten und für die Koordination von Überweisungen. Mittelfristig wird im Rahmen eines "Capitationmodells" ein eigenes Budget für die Patientenversorgung angestrebt.

STICHWORT

Integrations- Vollversorgung

Mit dem GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz hat das Bundesgesundheitsministerium in Berlin bei der Integrierten Versorgung (IV) solchen Modellen den Vorzug gegeben, die die Vollversorgung von Patienten in einer Region umfassen. In Paragraf 140 a Sozialgesetzbuch V ist ausdrücklich geregelt, dass IV-Verträge eine bevölkerungsbezogene Flächendeckung der Versorgung ermöglichen sollen. Die Anschubfinanzierung für die Integrierte Versorgung läuft dem Gesetz zufolge Ende dieses Jahres aus. Dann ist eine Bereinigung der Gesamtvergütungen für die IV-Modelle vorgesehen.(ami)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Brutstätte für neue Versorgungs-Ideen

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