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Ärzte Zeitung, 27.06.2008

KOMMENTAR

Papier ist geduldig - Patienten nicht

Von Christian Beneker

Der Hausarztberuf wird sich ändern - vom Rundumversorger zum "Gatekeeper", er wird die Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten stärker organisieren, anstatt selbst zu behandeln. Unterstützt wird er dabei von Schwestern, Krankenpflegern oder anderen Berufen, die vieles von dem erledigen werden, was heute noch der Hausarzt macht.

Dieses arztersetzende Personal müsste allerdings überhaupt erst ausgebildet werden. In einer grundlegend neuen Arbeitsteilung sieht die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) das Mittel der Wahl, um dem Hausärztemangel, wenn er denn schon nicht verhindert werden konnte, nun doch entgegenzuwirken. Die jüngste Fassung des Konzeptes "Die Primärversorgung in Deutschland im Jahr 2020" liegt nun den Ländergesundheitsministern zum Beschluss vor.

Aber was bedeutete ein Beschluss? Würden die Vorschläge wirken oder lägen sie nur als ein weiteres Papier in den Schubladen der Minister? Die Initiatoren beteuern, man wolle an einzelnen Punkten nun Tiefbohrungen ansetzen, um zu sehen, welche Ideen unter welchen Umständen umsetzbar sind.

So soll ein Gutachten über die rechtlichen Probleme arztersetzender Berufe erstellt werden. Auch der "Fünf-Schichten-Entwurf" der KBV bezieht sich offenbar auf den AOLG-Entwurf. Im Blätterwald der Gutachten, Konzepte und Studien also wirkt der Entwurf der AOLG. Allerdings: Papier ist geduldig, Patienten nicht.

Lesen Sie dazu auch:
Hausarzt 2020 - Chef eines Medizinteams
Politik-Alarm um den Mangel an Hausärzten
Hausarzt als Teamchef - Vision für 2020

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