Ärzte Zeitung, 17.07.2008

Gynäkologen gegen Altersbegrenzung bei Mamma-Screening

Genossenschaft GenoGyn plädiert für freiwillige Röntgenuntersuchungen als Selbstzahlerleistung / Rechtsunsicherheit beklagt

KÖLN (di). Die GenoGyn fordert freiwillige Röntgenuntersuchungen auf Selbstzahlerbasis außerhalb des Mammografie-Screenings. Damit könnten Mammakarzinome auch bei Frauen entdeckt werden, die wegen der Altersbegrenzung vom Screening ausgeschlossen sind.

"Diese Situation ist mit unserem ärztlichen Gewissen unvereinbar", sagte Gynäkologe Dr. Jürgen Klinghammer aus dem Vorstand der rund 2000 Mitglieder umfassenden ärztlichen Genossenschaft GenoGyn.

Nach seinen Angaben treten in der vom Mammografie-Screening erfassten Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren nur rund 50 Prozent aller Mammakarzinome auf. Weitere 30 Prozent entstehen bei Frauen über 70 Jahren, 20 Prozent bei Frauen unter 50 Jahren. Eine rein präventive Mammografie außerhalb des Screenings ist aber nicht möglich.

Damit sieht Klinghammer sich und seine Kollegen in einem Dilemma: "Einer beschwerdefreien 45-jährigen Patientin muss ich eine vorsorgliche Mammografie verweigern, weil keine medizinische Indikation vorliegt. Erkrankt dieselbe Patientin ein Jahr später an einem Mammakarzinom, habe ich ein Haftungsproblem."

Auch eine Verordnung mit einer nicht korrekten Indikation - eine so genannte "graue Mammografie" - ist für ihn keine Lösung: Klinghammer stuft dies als Versicherungsbetrug und "unerträgliche Rechtsunsicherheit" für die niedergelassenen Gynäkologen ein.

In einem offenen Brief an die KBV tritt die Genossenschaft der Frauenärzte deshalb für neue Verhandlungen über eine freiwillige Röntgenuntersuchung auf Selbstzahlerbasis außerhalb des Screenings ein.

Zugleich erneuerte Klinghammer generelle Kritik am inzwischen flächendeckend eingeführten Screening. Dies sei aus medizinischer Sicht unvollständig, da es sich um eine "maschinelle Röntgen-Reihenuntersuchung ohne Arztkontakt" handele. Ergänzende körperliche und Ultraschalluntersuchungen würden zu einer größeren Diagnosesicherheit führen, meint die Genogyn. Folgen des Defizits seien "falsche Sicherheit und eine unnötig große seelische Belastung der Frauen, die ohne Arztgespräch auf ihr Ergebnis warten und unter Umständen kommentarlos wieder einbestellt werden".

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