Ärzte Zeitung, 10.11.2008

"Nicht jeder Arzt wird 6,3 Prozent mehr bekommen"

Schleswig-Holsteins KV-Vorstand Ennenbach warnt vor falschen Erwartungen bei Honorarerhöhung / KV plant Informations-Veranstaltungen

BAD SEGEBERG (di). Unter den Ärzten im Norden beginnt das Rätselraten: Wer profitiert wie stark von der in Aussicht gestellten Honorarerhöhung? Die KV warnt vor übertriebenen Erwartungen.

6,3 Prozent plus X - das klingt nach einer spürbaren Verbesserung der Honorarsituation. Unter dem Strich könnte damit rund 58 Millionen Euro mehr Ärztehonorar nach Schleswig-Holstein fließen. Pro Arzt sind das durchschnittlich fast 13000 Euro.

Was davon tatsächlich in den Praxen ankommt, ist derzeit aber offen. Denn noch steht eine Einigung mit den Krankenkassen aus. Davon wird abhängen, wie die extrabudgetären Leistungen künftig vergütet werden und wie hoch die durch Vorwegabzüge gebildeten Rückstellungen ausfallen. Je geringer die Vorwegabzüge, desto mehr Volumen bleibt für die Regelleistungsvolumina.

Auf eines aber bereitete der KV-Vorstand die Ärzte schon auf der jüngsten Abgeordnetenversammlung vor: Es wird zu erheblichen Umverteilungen auch innerhalb der Arztgruppen kommen. "Nicht jeder wird 6,3 Prozent mehr bekommen", sagte die kommissarische KV-Vorsitzende Dr. Ingeborg Kreuz.

Bei manchen könne der Zuwachs sogar deutlich geringer ausfallen. Beeinflusst wird dies nach Angaben von KV-Vorstand Dr. Ralph Ennenbach etwa davon, ob ein Arzt in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis tätig ist, aus welcher Altersgruppe seine Patienten überwiegend stammen und wie viele qualifikationsgebundene Fallwertzuschläge er erhält.

Konkreter will die KV die Ärzte im Norden auf fünf Veranstaltungen im Land informieren, die am 22. November beginnen.

Fest steht für Ennenbach, dass die Honorarreform nicht nur für Gewinner unter den Ärzten sorgt. Er sprach sich dafür aus, "unberechtigte Verlierer" zu schützen. Dazu regte er die Gründung einer Härtefallkommission mit den Krankenkassen an - was bei diesen auf Ablehnung gestoßen ist. Ennenbach zeigte sich enttäuscht, dass die Kassen nicht bereit waren, an dieser Stelle Verantwortung zu übernehmen.

Ganz überraschend kommt diese Haltung nicht: Mit Blick auf die unklare Haushaltslage der Kassen mit Einführung des Gesundheitsfonds sagte Kreuz: "Auf der Kassenseite erleben wir derzeit eine weitgehende Paralyse." Mit Ausnahme der DMP-Verträge, berichtete Kreuz, haben die Kassen inzwischen zahlreiche Vereinbarungen zum Jahresende gekündigt.

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