Ärzte Zeitung, 09.02.2009

Die ergoogelte Informiertheit der Patienten kann Tücken haben

Medizinrechtler sieht Patientenaufklärung vor allem als Job der Ärzte / Barmer will sich für evidenzbasierte Patienteninformation stark machen

BREMEN (cben). Patienteninformation gehört vor allem in die Hände der Ärzte, sagt Professor Benedict Buchner, Geschäftsführer des Bremer Institutes für Gesundheits- und Medizinrecht. "Das Leit- und Wunschbild der informierten Patienten darf nicht mit grenzenloser Informationsfreiheit gleichgesetzt werden", so Buchner.

Der Medizinrechtler kritisierte, es sei fragwürdig, das die EU Arzneimittelhersteller "als Garanten eines informierten und eigenverantwortlich handelnden Patienten präsentiert." Nach wie vor sind es die Ärzte "die für die Mündigkeit der Patienten sorgen sollen", so Buchner.

Auf dem Bremer Symposion der Barmer Ersatzkasse zum Welt-Krebs-Tag sprachen sich die Referenten dafür aus, Patienten und Menschen, die Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen wollen, vollständig, neutral und unabhängig zu informieren.

Birgit Fischer, stellvertretende Vorsitzende der Barmer erklärte: "Der informierte und damit aktive Umgang mit der eigenen Erkrankung ist oft ein Teil des medizinischen Heilungserfolges." Ein Manko der Informationsflut sei es, das Patienten zwar Gesundheitsinformationen aufnähmen, aber nicht unbedingt deren Qualität beurteilen und mögliche Intentionen der Verfasser erkennen könnten. Für Patienten sei im Dschungel der Aufklärungsbroschüren "ein Kompass nötig, der ihnen ermöglicht, durch fundiertes Wissen die Vor- und Nachteile von Behandlungen oder Früherkennungsuntersuchungen abzuwägen", so Fischer. Evidenzbasierte Patienteninformation mit Qualitätsstandards seien daher das Ziel, sagte Fischer.

Bei therapeutischen oder diagnostischen Screenings fordert die Barmer zum Beispiel auch eine Prognose bei Nichtintervention, die Darlegung von Behandlungsoptionen oder die Wahrscheinlichkeit von Erfolg. Auch Nichterfolg oder Nebenwirkungen sowie die Möglichkeit von falsch positiven und falsch negativen Ergebnissen sollten dargelegt werden.

Besonders am Beispiel des Mamma-Screening-Programms sieht Susanne Mauersberg vom Bundesverband der Verbraucherzentralen auch das Dilemma, das mit der sorgfältigen Information der Frauen einhergeht. Einerseits ermögliche erst fundiertes Wissen die Abwägung zwischen Vor- und Nachteilen des Screenings. Andererseits senke fundiertes Wissen unter Umständen die Teilnahmerate am Screening und damit auch die Erfolgsaussichten dieser Reihenuntersuchung. "Sinkt die Teilnehmerzahl unter einen bestimmten Prozentsatz, wird das Screening sinnlos", erinnerte Mauersberg.

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