Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Ärzte im Norden formieren sich zum Protest

Sie starten Aktionswochen, wollen Praxen schließen sie informieren Patienten über den Grund ihrer Protestaktionen: Ärzte in Schleswig-Holstein, die überzeugt sind, dass sie auf negative Auswirkungen der Honorarreform unbedingt reagieren müssen.

Von Dirk Schnack

Gelbe Karte für Politiker - Ärzte gehen in die Offensive.

Foto: Ärztegenossenschaft

Bad Segeberg . Verschiedene Fachgruppen und lokale Ärztenetze machen in diesen Tagen im Norden auf die Auswirkungen der Honorarreform aufmerksam. Die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein bündelt die Proteste.

"Wir wollen Ihre Kassenärzte bleiben. Mit 13 Euro im Monat für einen Patienten können wir das aber nicht", lesen die Patienten im holsteinischen Lütjenburg derzeit an den Praxistüren.

Viele Ärzte dort wollen in der kommenden Woche ihre Praxen aus Protest gegen die Honorarreform schließen. Ihren Patienten erklären sie dies mit drohenden Einkommensverlusten von bis zu 30 Prozent für einzelne Praxen.

Im benachbarten Preetz haben sich die niedergelassenen Ärzte zu einer Aktionswoche entschlossen. Unter dem Motto "Wir sind dann einfach weg" halten sie in dieser Woche ihre Praxen geschlossen.

Auch hier suchen die Ärzte den Dialog mit den Patienten und erklären, weshalb die Honorarreform für viele von ihnen voraussichtlich zu Einkommenseinbußen führen wird. In Heide werden am Sonnabend Ärzte auf dem Marktplatz das Gespräch mit Passanten suchen, um sie über die Hintergründe der Praxisprobleme aufzuklären.

Zugleich sind viele Fachgruppen bemüht, die Aktionen landesweit zu organisieren. Die HNO-Ärzte koordinieren ihre Proteste am Mittwoch und kündigen Aktionen und eine Resolution an. Auch Augenärzte, Urologen, Chirurgen und andere Fachgruppen haben sich zu Protestmaßnahmen im Norden entschlossen.

Die Ärztegenossenschaft bündelt die Aktionen und bietet zusammen mit Fachverbänden und Ärztenetzen Unterstützung bei der Aktion "Zeigen Sie der Politik die gelbe Karte für eine missratene Gesundheitspolitik". Ärzte können für den Protest Poster, Antwortkarten und Aufsteller bestellen. Ziel ist es, Protestunterschriften auf gelben Karten in den Praxen zu sammeln, die der Politik übergeben werden sollen. Mit einer ähnlichen Aktion hatte das Ärztenetz Allgäu bereits Aufsehen erregt. Unter www.aegnordblog.de bietet die Genossenschaft einen Überblick über die Proteste und lädt Ärzte ein, ihre Kommentare zur Gesundheitspolitik abzugeben.

Die Aktionen sollen landesweit koordiniert werden.

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