Ärzte Zeitung, 07.04.2009

Mehr Rheumatologen braucht das Land

Deutschland mangelt es an Rheumatologen. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen Vertreter der Pharmaindustrie und verschiedener Fachverbände gegensteuern. Insgesamt 1,5 Millionen Euro sollen helfen, die fachärztliche Weiterbildung und Forschung im Bereich der Rheumatologie zu verbessern.

Von Thomas Hommel

Großer Bedarf an Expertise: Rheumatologe berät eine Patientin, die durch Rheuma entstandene Schmerzen in den Handgelenken hat.

Foto: Wyeth Pharma

BERLIN. Viele der in Deutschland lebenden Rheuma-Patienten würden nicht nur an ihrer Krankheit, sondern auch an einer völlig unzureichenden medizinischen Versorgung leiden, erklärte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh), Dr. Edmund Edelmann, vor Journalisten in Berlin.

Durch falsche Diagnosen und verspätete Therapien entstünden dem Gesundheitssystem jedes Jahr Zusatzkosten von mehreren Millionen Euro, kritisierte Edelmann. Hauptursache für den Versorgungsengpass sei der "Ärztemangel in der Rheumatologie". Den Angaben des Experten zufolge fehlen derzeit bundesweit etwa 650 Rheumatologen.

Die Folgen: Den Hausärzten fehlt häufig der geschulte Ansprechpartner und die Patienten müssen mitunter bis zu einem Jahr warten, bis sie dem Spezialisten vorgestellt werden. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, um mehr Ärzte für eine Weiterbildung in der Rheumatologie zu gewinnen, forderte Edelmann. Gerade für junge Mediziner sei die Rheumatologie ein "hochinteressantes" Fachgebiet, warb Edelmann für seinen Berufsstand.

Als völlig inakzeptabel bezeichnete er hingegen die Vergütungssituation in rheumatologischen Facharztpraxen. Die Erstuntersuchung eines Patienten, die bis zu eineinhalb Stunden beanspruchen könne, werde von den Kassen mit maximal 40 Euro vergütet. "Das ist alles andere als angemessen."

Patienten warten bis zu einem Jahr, bis sie einem Spezialisten vorgestellt werden.

Ziel der Initiative "Zukunft Rheumatologie" ist es, junge Ärzte zu motivieren, sich für eine Weiterbildung zum Rheumatologen zu entscheiden und damit einen Beitrag zu einer besseren Versorgungsqualität zu leisten. Ins Leben gerufen worden ist die Initiative vom Unternehmen Wyeth BioPharma, das insgesamt 1,5 Millionen Euro in das Projekt investiert. Mit dem Geld werden unter anderem Stipendien über einen Zeitraum von zwei Jahren finanziert. Abgerufen werden kann die Fördermaßnahme von Nachwuchsärzten, die sich für eine Weiterbildung in der Rheumatologie entscheiden. Neben dem BDRh ist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und das Regionale Rheumazentrum Hannover an der Initiative beteiligt.

Nach Einschätzung von Professor Andreas Radbruch, 2. Vizepräsident der DGRh, hat es zuletzt zahlreiche Fortschritte bei der Behandlung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen gegeben. "Viele Schlüsselmechanismen der Pathogenese, insbesondere bei der Rheumatoiden Arthritis und der systemischen Sklerose wurden inzwischen aufgeklärt." Von einer Heilung bei rheumatischen Erkrankungen sei die Medizin aber noch "meilenweit" entfernt, betonte Radbruch. Der Experte beklagte in diesem Zusammenhang, dass es an vielen deutschen Universitäten keinen eigenen Lehrstuhl für das Fachgebiet Rheumatologie gibt.

Dimensionen einer Volkskrankheit

Rheumatische Erkrankungen stellen weltweit noch immer die führende Ursache von chronischen Schmerzen und körperlichen Funktionseinschränkungen dar. Allein in Deutschland sind heute rund zehn Millionen Menschen an Rheuma erkrankt - Frauen häufiger als Männer. Bei schweren Formen - insbesondere den entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen - ist die Lebenserwartung der betroffenen Patienten deutlich reduziert. Wegen der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Menschen mit Rheuma künftig weiter steigen, so Experten.(hom)

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