Ärzte Zeitung, 10.07.2009

Mehr Schulungen für Hausärzte in Sachen Rheuma

Die Versorgung Rheumakranker hat sich laut Rheuma-Liga in den vergangenen Jahren bundesweit stark verschlechtert. Ein Aktionsprogramm soll helfen.

Versorgungssituation ist schwierig: Rheuma-Liga Präsidentin Erika Gromnica-Ihle.

Foto: Rheuma-Liga

BONN (ric). "Die fachärztliche Versorgungssituation lässt deutlich zu wünschen übrig", kritisiert Professor Erika Gromnica-Ihle, Rheumatologin und Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Erhielten 1994 noch rund 16 Prozent aller Rheumakranken eine stationäre medizinische Reha, waren es 2007 nur noch fünf Prozent. Mit dem neu aufgelegten Aktionsplan 2009 will die Selbsthilfeorganisation, die nach eigenen Angaben rund 250 000 Betroffene vertritt, die Situation verbessern.

"Im Schnitt dauert es derzeit mehr als ein Jahr, bis Patienten, die an rheumatoider Arthritis leiden, einem internistischen Rheumatologen vorgestellt werden", so Gromnica-Ihle auf einer Veranstaltung der Organisation in Bonn. Betroffen seien bundesweit 440 000 Patienten. Dies liege zum einen an der fehlenden Zahl an Fachärzten: "Wir bräuchten eigentlich doppelt so viele Rheumatologen, wie wir derzeit haben." Zum anderen seien die Hausärzte oft nicht ausreichend geschult, um das Krankheitsbild zu erkennen - dadurch gehe wertvolle Zeit verloren. "Eine Remission der Krankheit kann nur erreicht werden, wenn die Patienten innerhalb von drei Monaten nach Einsetzen der Beschwerden eine medikamentöse Therapie erhalten." Frühsprechstunden und spezielle Schulungen für Hausärzte seien daher wichtige Initiativen.

Um die Negativentwicklung aufzuhalten, fordert die Rheuma-Liga weitere Maßnahmen: kurzfristige Sonderbedarfszulassungen für die Rheumatologie, langfristig wäre sogar eine eigene Zulassung für internistische Rheumatologen denkbar. Um den Nachwuchs zu sichern, sollten weitere Lehrstühle für Rheumatologie eingerichtet werden, auch müsse das Studium praxisnäher werden. Ein Projekt dazu ist jetzt an der Uni Düsseldorf angelaufen.

Auch die Vergütung für Rheumatologen müsse überdacht werden. "In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel nur 30 Euro für ein Gespräch mit einem chronisch Kranken, das ist im Bundesvergleich eher niedrig", so Helmut Franck, niedergelassener Rheumatologe aus Bonn. Das Patientenaufkommen sei kaum noch zu steuern, seitdem in Köln mehrere Rheumatologen dicht gemacht hätten oder ins Ausland gegangen seien. "Wir könnten rund um die Uhr arbeiten." Sein Kollege Matthias Seidel von der Rheumatologischen Ambulanz der Uniklinik Bonn bestätigt das. "Wir brauchen dringend eine neue Bedarfsermittlung der rheumatologischen Grund- und Notfallversorgung."

Bundesweit gibt es nach Angaben der Selbsthilfeorganisation rund neun Millionen behandlungsbedürftige Rheumatiker, davon 15 000 Kinder und Jugendliche.

www.rheuma-liga.de

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