Ärzte Zeitung, 31.07.2009

Bremer Notärzte und ihre schnellen Helfer

In Bremen sind insgesamt elf Taxifahrer zu Helfern der Ärzte im fahrenden Notfalldienst ausgebildet worden. Das Vorgehen hat sich bewährt, viele Kommunen zeigen Interesse.

Von Christian Beneker

Dr. Uwe Aldag (l.) und Taxifahrer Manfred Skoda mit Ausrüstung vor der Notfalldienstpraxis am Klinikum Mitte.

Foto: cben

BREMEN.Warum machen das nicht alle so? Uwe Alda, verantwortlicher Arzt für den Notdienst in Bremen, ist inzwischen ein gefragter Mann. Aus vielen Städten ringsum wird er eingeladen, um von der besonderen Organisation des Bremer Notdienstes zu berichten. Die Besonderheit: Die Bremer haben insgesamt elf Taxifahrer zu Helfern der Ärzte im fahrenden Notfalldienst ausgebildet.

Seit 2005 sitzen die Dienst habenden Kollegen nicht nur mit einem ortskundigen Profi im Notfall-Taxi, sondern auch mit einem ausgebildeten Assistenten. "Also, wir machen alles, was nicht direkt am Patienten ist und halten den Ärzten den Rücken frei", berichtet Manfred Skoda, einer der engagierten Fahrer: "Sauerstoff anlegen, Infusionen vorbereiten oder die Einweisungen zurechtlegen." Skoda öffnet den Kofferraum und holt den Defi heraus, die Urologische Tasche, die Notfalltasche.

Vor vier Jahren wurde der Notfalldienst ausgeschrieben

Auf dem Dach des Taxis hat er das gelbe Schild "Arzt Notfalleinsatz" angeschraubt und Magnetmatten überdecken die Taxiwerbung an den Türen des nagelneuen Mercedes Benz. Aufschrift: "Ärztlicher Notfalldienst". Dass Skoda mit der Ausrüstung vertraut ist, ist unschwer zu erkennen. Immerhin zeichnet er verantwortlich dafür, dass stets alle Taschen bestückt und in Ordnung sind.

Im Jahr 2005 haben die Bremer den fahrenden Notfalldienst neu ausgeschrieben. Zu unzufrieden waren sie mit dem Rettungsdienst, der bis dahin die Autos und die Fahrer zur Verfügung gestellt hatte. "Mal waren die Wagen kaputt, dann war niemand rechtzeitig verfügbar und außerdem waren die Fahrer meistens Studenten, die sich mit medizinischen Dingen nicht auskannten", erinnert sich Aldag.

Auf die Ausschreibung hatte sich auch der Bremer Taxiruf gemeldet und schließlich den Zuschlag erhalten. Der Taxiruf arbeitet durchweg mit selbstständigen Fahrern, die hohes Interesse an Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit haben. "Für angestellte Fahrer wäre das Ganze vielleicht mehr ein Job", meint Aldag.

In 40 Stunden wurden die elf Taxi-Fahrer ausgebildet, und sie absolvieren alljährlich eine Auffrischung. Seither versorgte der Notfalldienst am Klinikum Mitte 34 000 Patienten, und 5500 Mal ist das Taxi mit dem Diensthabenden zu den Patienten losgefahren. "Besonders für die Kolleginnen, aber auch für uns ist es sehr hilfreich, mit Taxifahrern unterwegs zu sein", meint Aldag, "wir fühlen uns viel sicherer." Das dürfte um so wichtiger sein, da der Notfalldienst in Bremen seit dem 1. April auf freiwilliger Basis läuft. Außerdem kennen die Fahrer das sich mehr als 50 Kilometer an der Weser entlang streckende Bremen wie ihre Westentasche. Und alle Taxis sind mit GPS zu orten - "falls der Wagen mal liegen bleibt", meint Skoda.

Für den Taxifahrer ist das neue Arbeitsgebiet sichtlich eine Freude. "Sonst holen wir die Leute ja an der Tür ab", sagte er, "jetzt gucken wir auch mal hinter die Gardinen."

Und er erzählt von der alten Patientin, die mit vier geschmückten Weihnachtsbäumen im Wohnzimmer lebt, weil sie zwar Energie genug hat, alljährlich einen neuen zu schmücken, aber nicht, um die alten zu entsorgen, von Unterzuckerten und Asthmatikern, von Patienten mit Angina Pectoris oder Bluthochdruck.

Eines oder mehrere Taxis sind rund um die Uhr in zwei Schichten einsatzbereit: von 8 bis 19 Uhr und von 17 bis 7 Uhr. Fünf bis sechs Mal rückt Skoda mit "seinem" Arzt in einer Schicht aus. "Wir werden von der Notrufzentrale alarmiert, holen zuerst der Arzt von zu Hause ab und fahren dann zum Einsatz. Das Ganze dauert zehn Minuten. Es sei denn, der Arzt ist angezogen und kann gleich in den Wagen springen: Dann sind es nur fünf", meint Skoda.

Fahrer werden mit einer Pauschale pro Dienst bezahlt

"Die Zusammenarbeit ist aber nicht nur ein logistisches Phänomen", betont Aldag, "die Fahrer halten uns den Rücken frei auch beim Formularkram. Die Arbeit hat sich enorm verbessert." Die Fahrer werden mit einer Pauschale pro Dienst bezahlt. Keine von den elf Fahrern hat seit dem Beginn der Kooperation mit dem Job aufgehört. Insgesamt koste der Taxiservice weniger als zu Zeiten des Rettungsdienstes, sagt Aldag.

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