Ärzte Zeitung, 16.07.2009

Ein Protestzug in Gelb als Warnung für die Politik

60 000 Protestkarten lieferten die Ärzte vor dem Landeshaus ab.

Foto: di

Ärzte, Praxismitarbeiter und Patienten machen in Kiel ihrem Ärger über die Gesundheitspolitik Luft

KIEL (di). Noch war es nur die gelbe Karte: Ärzte und Patienten gaben am Mittwoch in Kiel eine Warnung für die Gesundheitspolitik ab.

In einem gellenden Pfeifkonzert gingen die Worte von Angelika Birk (Die Grünen) und Jutta Schümann (SPD) unter. Ärzte und Patienten hatten genug gehört. Verhalten die Resonanz bei Ursula Sassen (CDU), frenetischer Beifall für Dr. Heiner Garg (FDP), der der abwesenden Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht (SPD) Respektlosigkeit vorwarf, weil sie der Veranstaltung fern blieb.

So machten die Demonstranten vor dem Kieler Landeshaus ihren Unmut über die Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre deutlich. Zu ihnen zählten nicht wie sonst nur Ärzte und Praxismitarbeiterinnen, sondern auch viele Patienten.

Gesa Dibbern etwa marschierte aus Sorge mit, dass die ärztliche Versorgung auf dem Land noch stärker ausgedünnt wird. Nach ihrer Ansicht sind Kassen und Politik Rechenschaft darüber schuldig, was mit den Beiträgen geschieht: "Wo fließt das viele Geld hin?"

Rationierung ante portas?: Teilnehmer des Protestzugs beklagen staatlichen Einfluss auf die Versorgung.

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Sabine Petersen, Initiatorin der Patienteninitiative Schulterschluss, heizte den Politikern ein: "Wir sind nicht von den Ärzten herchauffiert worden, sondern freiwillig gekommen. Wir sind erschrocken, weil die Ärzte so nicht weiter arbeiten können", sagte sie mit Blick auf die Arbeitsbedingungen der Praxisinhaber.

Petersen forderte dazu auf, Ärzte so zu bezahlen, dass diese eine vernünftige Patientenversorgung leisten können. Dr. Wolfgang Keil vom Kieler Praxisnetz zählte viele Maßnahmen auf, die die Gesundheitspolitik gegen die Interessen von Ärzten und Patienten durchgesetzt hat, etwa Praxisgebühr und Rabattverträge.

Dr. Klaus Bittmann von der Ärztegenossenschaft forderte die Gesundheitspolitiker auf, die Rahmenbedingungen zu ändern. Zugleich kündigte er an, die Mandatsträger zur Rechenschaft zu ziehen. Andernfalls, so Bittmann, werden Ärzte und Patienten den Politikern künftig die rote Karte zeigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Schulterschluss vor der Wahl

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