Ärzte Zeitung, 10.09.2009

TV im Blick

Ein kurzer Ritt durch Pfusch, Korruption und Honorare

Von Rebecca Beerheide

Beliebt und vertrauenswürdig - verspielen Ärzte ihren guten Ruf, wenn es unter ihnen "immer mehr" Pfusch, Korruption und zu viel Honorar gibt? Mit dieser provokanten These stieg Sandra Maischberger in ihre Talk-Sendung mit dem Titel "Feindbild Arzt: Weiße Kittel, weiße Weste?" am Dienstagabend in der ARD ein.

Über die Tricks der Ärzte sollte Dina Michels, Chefermittlerin der Kaufmännischen Krankenkasse, aufklären - und blieb erstaunlich wortkarg. Sie nannte kaum Fälle aus ihrem Buch, das bald mit dem provokanten Titel "Die Gesundheitsmafia" erscheint und derzeit täglich auflagenstark in der "Bild"-Zeitung vermarktet wird. Ihre Aussage, einige Prämien zwischen Ärzten und Kliniken seien politisch gewollt, erklärte sie nicht. So stiftete sie eher Unsicherheit als Aufklärung - und das als Ermittlerin.

Auch Dr. Günther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer, erklärte den Hintergrund der Prämien nicht weiter. Zu sehr war er damit beschäftigt, die Wogen zu glätten, wenn die Kassenfrau und die Moderatorin die Themen Korruption, Pfusch in 40 000 Fällen und das Honorarplus von zwölf Prozent in den vergangenen fünf Jahren miteinander verglichen. Das Bild des Arztes, der mit seinem Porsche zu einer Honorardemonstration fährt, durfte natürlich nicht fehlen. "Wir sind hier bei Menschen bei Maischberger, nicht Helden bei Maischberger", versuchte Jonitz zu erklären, dass es auch bei Ärzten Menschen gibt, die Fehler machen.

Die Erpressung eines Akustikers in Bad Homburg durch einen HNO-Arzt dokumentierte die Sendung ebenso - wobei offen blieb, warum der Akustiker das Spiel jahrelang mitmachte.

Eine neue Kultur im Umgang mit Behandlungsfehlern müsse es geben, fordert Dr. Marcus Rall, Leiter eines Tübinger Patientensicherheitszentrums, der sein Trainingskonzept mit einer Simulationspuppe ausführlich vorstellen durfte.

Fraglich bleibt, ob Fehler-Kultur, Pfusch und Honorare in eine TV-Sendung zu später Stunde passen. Im Verhältnis Arzt, Patient und Medien wird noch viel zu diskutieren sein.

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