Ärzte Zeitung, 15.03.2010

Psychotherapeuten sehen ihr Know-how gefragt

Psychotherapeuten bemängeln, dass sie in der ambulanten Versorgung zu selten bei der Behandlung chronischer Schmerzpatienten eingebunden sind.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. In die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen sollten auch Psychotherapeuten eingeschlossen sein, fordert der Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer (PTK), Dr. Nikolaus Melcop.

In spezifischen stationären und teilstationären schmerztherapeutischen Einrichtungen sei diese Forderung vielfach bereits realisiert. Im ambulanten Bereich gebe es für Patienten mit chronischen Schmerzen jedoch oftmals noch kein angemessenes Angebot, bedauerte Melcop bei einer Pressekonferenz in München, bei der über neue Versorgungsformen berichtet wurde.

Notwendig seien interdisziplinäre Behandlungskonzepte, bei denen Psychotherapeuten, Psychologen, Orthopäden, Neurologen, Anästhesisten und Chirurgen eng zusammenarbeiten, erklärte Melcop. In Deutschland gebe es jedoch noch viel zu wenig solcher interdisziplinär arbeitenden schmerztherapeutischen Einrichtungen.

Eines davon ist das Algesiologi-kum, ein Medizinisches Versorgungszentrum in München. Dort werde jeder Schmerzpatient von mindestens drei Fachrichtungen gesehen, berichtete Dr. Bernhard Klasen. Allein für eine solch umfassende Anamnese würden pro Patient bis zu fünf Stunden benötigt. Erst dann werde ein gemeinsamer Therapieplan erstellt. Als die mit Abstand effektivste Therapiemöglichkeit bei Patienten mit chronischen Schmerzen habe sich die multimodale Schmerztherapie mit mindestens 100 Stunden Dauer erwiesen, berichtete Klasen. Multimodale Behandlungen seien durch die Einbindung somatischer, körperlicher, psychologisch übender sowie psychotherapeutischer Verfahren gekennzeichnet.

Psychotherapeutische Verfahren in der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen haben das Ziel, durch das Erlernen von Entspannungstechniken und Problemlösungsstrategien, durch Selbstwahrnehmung und eine Reduktion von angstmotiviertem Vermeidungsverhalten dem Patienten vor allem wieder Selbstvertrauen zu geben, erläuterte Melcop.

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