Ärzte Zeitung, 19.04.2010

Gerichtsmediziner stützt Bremer Votum

Die Obduktionspflicht für gestorbene Kinder unter sechs Jahren bei unklarer Todesursache wird vom Gerichtsmediziner Dr. Michael Birkholz begrüßt.

BREMEN (cben). Bremen hat eine Obduktionspflicht für gestorbene Kinder unter sechs Jahren beschlossen, deren Todesursache unklar ist. In der Bremer Diskussion hat sich der Gerichtsmediziner Dr. Michael Birkholz zu Wort gemeldet. "Wer die Obduktion von gestorbenen Kindern mit unklarer Todesursache ablehnt, tut dies meist aus ethischen Gründen", sagte Birkholz der "Ärzte Zeitung", "aber niemand fragt, weshalb eine Sektion unethisch sein sollte". Eltern, die mit einer Obduktion nicht einverstanden sind, sollen innerhalb von 24 Stunden formlos Widerspruch einlegen können.

Auslöser der Neuregelung ist der gewaltsame Tod des Jungen Kevin im Jahr 2006 gewesen. Seither wird an der Weser über den Beschluss gestritten, der nun im Mai in die Bürgerschaft - das Bremer Parlament - eingebracht werden soll. "Natürlich wurde ich auch gefragt und habe mich für die Obduktion ausgesprochen", so Birkholz. Die Entscheidung sei gesellschaftlich wichtig. "Wenn die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft aus unklarem Grund sterben, dann muss es unser Interesse sein, heraus zu bekommen, warum diese Kinder gestorben sind!"

Ein Schütteltrauma etwa, an dem relativ viele gewaltsam ums Leben gekommene Kinder gestorben sind, sei äußerlich eben nicht zu erkennen. "Da muss man eine Sektion vornehmen oder man weiß nicht, was geschehen ist. Ähnlich ist es mit erstickten Kindern." Birkholz verwies auf die Sektionsraten in anderen europäischen Ländern.

Als Vorbild für die größere Akzeptanz von Obduktionen sieht Birkholz etwa Schottland. "In Edinburgh, das ungefähr so groß ist wie Bremen, werden jährlich 1000 Sektionen gemacht, in Bremen 60," so Birkholz. Erfahrungsgemäß seien auch Eltern nach dem ersten Schock sehr erleichtert, wenn sie Gewissheit über den Tod ihres Kindes gewinnen. "Aber diese Gewissheit lässt sich nur durch eine Obduktion erreichen", so Birkholz.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Obduktionen schaffen Klarheit

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