Ärzte Zeitung, 21.05.2010

Nicht nur über Ärztemangel reden - handeln!

Wie Patienten künftig wohnortnah versorgt werden können, wird auf Bundes- und Landesebene heiß diskutiert. Währenddessen haben viele Ärzte das Thema längst zu ihrer Sache gemacht - zum Beispiel das Ärztenetz Spessart.

Von Sabine Schiner

Nicht nur über Ärztemangel reden - handeln!

Idyllischer Spessart - hier Bad Orb: In ländlichen Regionen wird es immer schwerer, frei werdende Ärztesitze nachzubesetzen. © imagebroker / imago

FRANKFURT/MAIN. Auf Bundes- und Länderebene wird derzeit viel über das Thema Ärztemangel diskutiert. In Hessen erarbeiten KV und Landesregierung ein Konzept zur Sicherstellung der Versorgung. Ärzte aus dem Main-Kinzig-Kreis haben ihr eigenes Rezept gefunden und sich zum "Ärztenetz Spessart" mit Sitz in Bad Orb zusammen geschlossen.

Das Netz wurde 2005 von Haus- und Fachärzten gegründet. Seit Anfang 2009 ist es eine eingetragene Genossenschaft. Die etwa 50 Ärzte behandeln jährlich rund 50 000 Patienten. Ziel ist, auch künftig eine ambulante Versorgung wohnortnah sicherzustellen - und zwar trotz demografischem Wandel und Ärztemangel.

"Es geht darum, ärztlichen Nachwuchs für die Region zu gewinnen", sagt Dr. Ulrich Dehmer vom Vorstand des Ärztenetzes in Bad Orb. Der Main-Kinzig-Kreis hat etwa 400 000 Einwohner, liegt zwischen Frankfurt/Main und Fulda und hat eine zweigeteilte Struktur: In und um Hanau gibt es großstadtähnliche Strukturen, eher ländlich geprägt ist hingegen der östliche Teil um Gelnhausen und Schlüchtern. Eingestuft ist der Kreis als ein KV-Planungsbezirk, bei dem es, statistisch betrachtet, keine Unterversorgung gibt.

"Noch ist die Situation im Mainz-Kinzig-Kreis zufrieden stellend, allerdings macht sich der Mangel auf dem Land bereits deutlich bemerkbar", sagt Dehmer. Es werde immer schwerer, Nachfolger zu finden. In einigen Regionen gebe es bereits eine Unterversorgung mit Hausärzten.

Die Netzärzte versuchen deshalb, altersbedingt frei werdende Sitze im Versorgungsgebiet zu erhalten und die Praxen innerhalb des Ärztenetzes zu übernehmen. "Organisatorisch gibt es verschiedene Möglichkeiten", sagt der Netzmanager Edmund Fröhlich. "In den Mittelzentren Gelnhausen, Bad Orb und Wächtersbach gibt es bereits Ärztehäuser, ähnliche Zentren brauchen wir auch in Bad Soden-Salmünster und Schlüchtern."

Eine Teilgemeinschaftspraxis ist in Planung. "Wir bereiten uns darauf vor, im Zuge der weiteren Umstrukturierung des Gesundheitswesens im Verbund mit anderen Netzen Honorarvereinbarungen direkt mit den Krankenkassen treffen zu können", so Dehmer.

Die Netzärzte sehen sich in der Pflicht, Politiker für das Thema zu sensibilisieren. Erste Erfolge gibt es bereits: So richtet etwa der Kreis einen Expertenrat mit Kommunalpolitikern, Vertretern des Gesundheitsamtes, der Kliniken und des Hausärzteverbandes ein, um Vorschläge gegen den Ärztemangel zu erarbeiten. Mit dabei ist auch das Ärztenetz Spessart. Ebenfalls in Arbeit ist eine Verbundweiterbildung für Allgemeinärzte, die es angehenden Hausärzten erleichtern soll, sich im Kreis niederzulassen. Ein gemeinsames Curriculum wird erarbeitet.

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