Samstag, 25. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 30.06.2010

Hamburger Krankenhausspiegel liegt in Scherben

Fast alle Träger, bis auf die Krankenhäuser, ziehen sich aus Vorzeigeprojekt zurück / Streit über Berücksichtigung von Patientenmeinungen

HAMBURG (di). Schwerer Schlag für den bundesweit beachteten Hamburger Krankenhausspiegel. Die übrigen Träger ziehen sich nach einem Streit mit der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft zurück.

Hamburger Krankenhausspiegel liegt in Scherben

Der Krankenhausspiel in Scherben - ein Streit über verschiedene Patientenmeinungen war der Aufhänger.

© Alex Leighton / fotolia.com

Ärztekammer, Verbraucherzentrale, Patienten-Initiative, AOK, Barmer GEK und Techniker Kasse zogen mit ihrem Ausstieg den Schlussstrich unter einen Dissens über die künftige Ausrichtung des Hamburger Krankenhausspiegels, der Patienten wichtige Daten über die Behandlungsergebnisse in den Kliniken laienverständlich aufbereitet. Die Aussteiger wollten das Portal umfassender und transparenter gestalten. Dazu sollten die Meinungen von Patienten einfließen. Eine weitere Überlegung war, zu einem späteren Zeitpunkt auch Informationen über Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime aufzunehmen.

Die Zusammenarbeit der Träger galt als gut, so lange die einzelnen Kliniken beteiligt waren. Zum Bruch war es gekommen, nachdem die Krankenhäuser ihre Stimmrechte auf eine Tochterfirma der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft übertragen hatten. Diese HKG Health Services GmbH will sich beim Krankenhausspiegel auch weiterhin ausschließlich auf Daten aus der externen Qualitätssicherung der Kliniken (EQS) stützen, um die Angaben nicht zu "verwässern". Die aus verschiedenen Kliniken vorliegenden Ergebnisse von Patientenbefragungen bleiben damit unberücksichtigt. Die Tochterfirma hält eine Vereinheitlichung und vergleichende Darstellung der eingesetzten Befragungsinstrumente und -methoden in den Kliniken ohne Mängel nicht für möglich.

Die aussteigenden Organisationen befürchten aber, dass die Tochterfirma eine andere Ausrichtung als ursprünglich geplant verfolgt. Diese Neuausrichtung stimme nicht mehr mit dem ursprünglichen Ziel eines neutralen Patienteninformationsportals überein, hieß es. "An einem Internetportal, das sich lediglich auf die Darstellung überwiegend unkritischer Qualitätsergebnisse von Hamburger Krankenhäusern beschränken soll, konnten und wollten sich die ausscheidenden Organisationen aber nicht beteiligen", teilten sie mit.

Die HKG dagegen hält die Neutralität der präsentierten Daten für "unzweifelhaft", sie will den Krankenhausspiegel weiterführen und auf weitere Leistungsbereiche ausbauen. Die Aussteiger informieren Patienten und Angehörigen künftig getrennt, ein neues einheitliches Projekt ist nicht geplant.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Dem Leuchtturm geht das Licht aus

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Ebola-Patient am UKE: Heilende Therapie - mit Überraschungen

Nach der Behandlung am Hamburger UKE ist ein Ebola-Patient als geheilt entlassen worden. Jetzt haben die Ärzte Details zur Krankengeschichte und der erfolgreichen Therapie verraten. Sie sehen in der Behandlung einen Präzedenzfall. mehr »

Neuinfektionen: Ebola erreicht New York und Mali

Ebola breitet sich aus: Erstmals sind Fälle in New York und Mali aufgetreten. Der erkrankte Arzt in den USA liegt auf einer Isolierstation - aber hat er das Virus vorher schon weitergegeben? mehr »

Hygiene-Mängel: Chef der Mannheimer Uniklinik räumt seinen Stuhl

Haare, Knochensplitter, tote Fliege im OP: Zu den Hygieneverstößen an der Mannheimer Uniklinik sind neue Details bekannt geworden. Einem Medienbericht zufolge sollen die Mitarbeiter auf die Mängel hingewiesen haben - doch geändert hat sich nichts. Der Geschäftsführer tritt ab, die Klinik will das Vertrauen der Patienten zurückgewinnen. mehr »