Ärzte Zeitung, 14.07.2010

Häufiger Notdienst vergrätzt jungen Ärzten die Arbeit auf dem Land

Arbeitsverdichtung in Krankenhäusern trägt auch dazu bei, dass immer weniger Klinikärzte am Notdienst teilnehmen.

Von Sabine Schiner

Häufiger Notdienst vergrätzt jungen Ärzten die Arbeit auf dem Land

Geringes Honorar und lange Bereitschaftszeiten - die Realität des Notdienstes in vielen ländlichen Regionen.

© Melanie Vollmert / pixelio.de

FRANKFURT/MAIN. Der Ärztemangel in ländlichen Regionen hat auch Auswirkungen auf den Notdienst. "Wir vermuten, dass Kollegen für ihre Praxen auf dem Land in der nächsten Zeit schlechter einen Nachfolger finden werden, weil die Belastung durch den Bereitschaftsdienst zu groß ist", sagt Manfred Schulz, Vorsitzender des Berufsverbandes Ärztlicher Notdienst (BÄN) in Frankfurt/Main. Beim kollegialen Notdienst auf dem Land vertritt außerhalb der Sprechstunden ein Arzt den anderen. Das Problem: in kleinen Notdienstbereichen sind Ärzte relativ häufig zum Bereitschaftsdienst eingeteilt. Viele machen den Dienst ungern, weil sie am nächsten Tag wieder in den Praxen sein müssen. Zudem sei das Honorar für die zwölf Stunden Bereitschaft miserabel.

Der Verband stellt verschiedene Lösungsmöglichkeiten zur Diskussion. Etwa eine zusätzlich zum erarbeiteten Honorar gezahlte Stundenpauschale, so dass qualifizierte Ärzte einen Anreiz haben, Dienste zu übernehmen. Oder die Vergrößerung der Notdienstbezirke, in denen mehrere Ortschaften zusammengeschlossen werden. Ebenfalls denkbar sei, dass der vertragsärztliche Notdienst in dünn besiedelten Gebieten in Ausnahmefällen von Ärzten des Rettungsdienstes sichergestellt werde.

Doch nicht nur auf dem Land, auch in den Ballungsgebieten verändern sich die Strukturen. Die Bereitschaft der Klinikärzte zur Mitarbeit im Bereitschaftsdienst nimmt nach Beobachtungen des Verbandes ab. Das Organisationsseminar der KV Hessen, in dem Ärzte auf die Mitarbeit im Notdienst vorbereitet werden, war früher gefragt. "Wir hatten im Schnitt 100 Teilnehmer", sagt Schulz. In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage kontinuierlich abgenommen. In diesem Frühjahr waren es nur noch 30 Teilnehmer. "In den Kliniken findet eine solche Arbeitsverdichtung statt, dass viele nicht mehr in der Lage sind, sich für einen Zusatzverdienst beim Bereitschaftsdienst frei zu machen."

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