Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 21.07.2010

Kommentar

Länder zahlen Lehrgeld

Von Rebecca Beerheide

Wer bestellt, muss die Rechnung später auch zahlen. Nach diesem einfachen Motto handelt der Bund seit nun einem Jahr, wenn es um das Thema der Finanzierung von Impfstoffen bei der Schweinegrippe geht. Die Länder haben dabei das Nachsehen: Sie mussten nach gültiger Gesetzeslage den Impfstoff bestellen, zahlen und nun müssen sie die unverbrauchten Dosen finanzieren. Dabei ist Pandemievorsorge - auch wenn es der Föderalismus anders vorsieht - eine nationale Aufgabe, vor der sich der Bund auch bei Finanzierungsfragen nicht drücken darf.

Die Länder müssen 245 Millionen Euro für die 29 Millionen nicht verbrauchten Impfdosen zahlen. Bitteres Lehrgeld, das jetzt zur Forderung führt, die Pandemievorsorge in die Hand des Bundes zu legen. Denn der Bund, dessen eigenen Institute die fachlichen Vorgaben formuliert haben, hält sich lieber vornehm zurück.

Die Dynamik der Schweinegrippe hat gezeigt, dass die Pandemiekompetenz in den Händen der 16 Landesfürsten keine Zukunft haben kann. Zwar muss die Verteilung von Impfstoffen weiter an regionale Gegebenheiten angepasst werden. Die Verantwortung für die finanziellen Folgen der Risikoeinschätzung durch Bundesbehörden sollte aber logischerweise auch beim Bund liegen.

Lesen Sie dazu auch:
Länder sehen Pandemievorsorge künftig beim Bund
Länder wollen Job des Zahlmeisters loswerden

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

"Ärzte Zeitung" und AOK suchen einen Landarzt

"Landarzt gesucht" - unter diesem Motto suchen die "Ärzte Zeitung" und der AOK-Bundes­verband für die Gemeinde Woldegk in Mecklenburg einen neuen Hausarzt. Im Interview sprechen der AOK-Chef und der Chef von Springer Medizin über die Hintergründe. mehr »

Ärzte, vernetzt Euch!

Vom Deutschen Ärztetag soll ein Aufruf ausgehen für mehr vernetztes Arbeiten von Ärzten. Doch die Botschaft stieß nicht auf einhellige Begeisterung. Denn Kooperationen bergen auch das Risiko neuer Abhängigkeiten für Ärzte, warnten Delegierte. mehr »

Ein Jahr nach EHEC: "Viele Ärzte haben gar nicht gemeldet"

Viel wurden die Behörden während der EHEC-Epidemie gescholten. Doch auch an der Basis, bei den Ärzten, lief nicht alles rund. Im Interview zieht der Chef-Epidemiologe vom Robert Koch-Institut, Professor Gérard Krause, Lehren und spricht über selbst ernannte Experten. mehr »