Ärzte Zeitung, 26.07.2010

Lauterbach gibt Hausärzten Rückendeckung

Schreiben an die Fraktionskollegen: "SPD steht an der Seite der Hausärzte" / Kritik an Minister Rösler

BERLIN (hom). Für ihre geplanten bundesweiten Protestaktionen gegen die Sparpläne der Bundesregierung haben Deutschlands Hausärzte Rückendeckung von SPD-Gesundheitssprecher Karl Lauterbach erhalten.

Lauterbach gibt Hausärzten Rückendeckung

Stellt sich an die Seite der Hausärzte: Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

© dpa

"Die SPD steht an der Seite der Hausärzte, weil es der sozialdemokratischen Gesundheitspolitik zu verdanken ist, dass Hausärzte in ihrer Lotsenfunktion im Gesundheitswesen besser gestellt worden sind", schreibt Lauterbach in einem der "Ärzte Zeitung" vorliegenden Brief an die SPD-Fraktion. Dass sich immer weniger Medizinstudenten für den Beruf des Hausarztes entschieden, hänge auch mit der deutlich schlechteren Honorierung im Vergleich zu Fachärzten zusammen. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) warf Lauterbach vor, die Position der Hausärzte zu schwächen.

Der Hausärzteverband hat Protestaktionen gegen die von der Koalition geplanten Honorarkürzungen bei neuen Hausarztverträgen nach Paragraf 73 b SGB V angekündigt. Derzeit verschickt der Verband ein Schreiben an die Bundestagsabgeordneten, in dem diese darum gebeten werden, sich zur hausarztzentrierten Versorgung zu positionieren.

Aus den Reihen der Koalition hatte es zuletzt immer wieder geheißen, man nehme den Hausärzten kein Geld weg. Es gehe lediglich darum, die für 2011 erwarteten Honorarzuwächse "zu begrenzen".

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[26.07.2010, 19:04:59]
Leopold Mersch 
Haben sich die Hausärzte getäuscht?
Viele Ärzte, auch Hausärzte, waren froh, als Ulla Schmidt als Gesundheitsministerin im September 2009 abgelöst wurde. In der Erwartung, dass es schlimmer nicht kommen könne, wurden sie von der FDP allerdings mächtig enttäuscht. Nu wünschen sich vielleicht manche von ihnen Ulla Schmidt wieder zurück. Wie ist das möglich?

Der Ärztenachwuchs bleibt aus, insbesondere bei den Hausärzten. Lag deren durchschnittlicher "Fallwert" im Jahr 2000 deutschlandweit bei 41,50 €, liegt er in Baden-Württemberg seit Juli 2010 bei 41,36 €, vorher darunter. Praxen werden geschlossen, nicht aus Protest, sondern aus wirtschaflticher Not, oder weil kein Nachfolger zu finden ist.

Hausärzte trotzdem als "Kostentreiber" zu verunglimpfen, im ärztlichen Bereich ausschließlich von ihnen eine Beteiligung an den geplanten Einsparmaßnahmen zu fordern und zugleich danach zu fragen, warum ausschließlich sie sich den Einsparungen entziehen wollen, ist unredlich. Die FDP verdient das in sie gesetzte Vertrauen nicht. Fragen Sie sie doch einmal, wie sie andere Fachgruppen (Internisten, Laborärzte, Radiologen ...) an den Einsparungen beteiligen will.

Die durch die KBV zu verantwortende Verteilungswillkür innerhalb der Ärzteschaft hat zum Entstehen der Hausarztverbände maßgeblich beigetragen. Sie hätte es nicht so weit kommen lassen müssen. Aber auch deren jüngste Maßnahmen sind schwer nachvollziehbar.

Während die Bruttostundenverdienste 2009 in Baden-Württemberg bei 20,09 € lagen und in Thüringen bei 14,15 €, wird die Leistung von Hausärzten von der KV im umgekehrten Sinn sehr unterschiedlich vergütet, obwohl Herr Köhler immer wieder vorgibt anzustreben, dass Leistungen überall in Deutschland gleich hoch vergütet werden sollten, egal wo der Patient wohne:

Anerkannte durchschnittliche Fallzahlen: (Baden-W. / Thüringen) 804 / 940, Fallwerte: 41,36 € / 47,07 €, durchschnittl. RLV: 33.253,44 € / 44.245,80 €, Vergütung "Dringende Besuche": 0 € / 72,10 €. Warum das durchschnittl. RLV in Thürigen um 1/3 höher als in Baden-Württemberg liegen muss - wer könnte das verstehen und akzeptieren?

Hausärzte haben wenig Verbündete. Die Facharztkollegen sind keine, die Kassenärztliche(n) Vereinigung(en) ist/sind keine, die FDP ist keiner. Der Hausarztverband meldet sich in einer Art zu Wort, die den Hausärzten eher schadet als nützt. Wer sich in dieser Situation ehrlich auf die Seite der Hausärzte schlägt, ohne die eine preiswerte flächendeckende Gesundheitsversorgung vor Ort nicht realisierbar wäre, findet sie an seiner Seite wieder. Und mit ihnen vielleicht den einen oder anderen Patienten/Wähler. Hat die SPD diese Chance erkannt?
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[26.07.2010, 17:16:14]
Dr. Tobias Neuhann 
Halleluja!!
Dem Wendehals Lauterbach sind wirklich alle Mittel recht um vorallem sich und die SPD in Szene zu setzen. Die Hausärzte sind sicher gut beraten sich "diese Schlange" vom Leib zu halten.
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