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Ärzte Zeitung, 18.08.2010

Interview

"Rösler setzt mit Sparplänen die falschen Signale"

Versprochen und gebrochen - das wirft der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vor. In einer ersten Bewertung bezeichnet Dr. Wolfgang Wesiack die Sparpläne aus dem Ministerium als ein schlechtes Signal, den drohenden Ärztemangel abzuwenden.

"Rösler setzt mit Sparplänen die falschen Signale"

"Wir brauchen endlich feste Preise." (Dr. Wolfgang Wesiack, BDI-Präsident)

© Reiner Zensen / imago

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Wesiack, der Diskussionsentwurf für ein GKV-Finanzierungsgesetz liegt vor. Bereits an den Eckpunkten hat's massive Kritik gegeben. Wie bewertet der Präsident des Internistenverbandes die Pläne des Gesundheitsministers - als ein reines Sparpaket oder als Sparpaket mit Strukturelementen? Und: Ist dies die richtige Strategie?

Wesiack: Der vorliegende Entwurf enthält sowohl Spar- als auch Strukturelemente. Beim Sparpaket werden alle Beteiligten in die Pflicht gerufen, auch die Haus- und Fachärzte. Dies ist sicher nicht die richtige Strategie gegen den zu erwartenden Ärztemangel, der sowohl im hausärztlichen als auch im fachärztlichen Versorgungsbereich auftreten wird. Versprechungen, die vor der Wahl gegeben wurden, werden gebrochen.

Ärzte Zeitung: Sie haben das Thema angesprochen: der zu erwartende Ärztemangel. Welche Impulse sollte hier der Gesetzgeber setzen?

Wesiack: Hier bedarf es einer Vielzahl von Aktivitäten wie Entbürokratisierung, Stärkung der Freiberuflichkeit, Planungssicherheit, bessere Zukunftsperspektiven für Ärzte im Krankenhaus und vieles mehr. Die beste Motivation sind leistungsgerechte Rahmenbedingungen für diesen schönen schweren Beruf - inklusive einer angemessenen Honorierung. Von Beidem sind wir weit entfernt.

Ärzte Zeitung: Und welche Ideen und Strategien verfolgt der BDI - immerhin ist das ein wichtiges Thema beim Internistentag im September?

Wesiack: Unbegrenztes Leistungsversprechen und begrenztes Geld widersprechen sich. Um die medizinische Versorgung auf hohem Niveau bezahlbar zu halten, muss der Leistungskatalog auf eine ausreichende Grundversorgung reduziert werden. Die Wahlfreiheit mit Zusatztarifen ähnlich der Kfz-Versicherung muss eingeführt werden, Themen auf dem Internistentag werden unter anderem sein: wie viele Ärzte brauchen wir wirklich? Wie sieht eine moderne ambulante Versorgung der Bevölkerung aus oder auch die Frage nach der Zukunft der Inneren Medizin.

Ärzte Zeitung: Bleiben wir beim Internistentag. Neben vielen Fortbildungsangebot geht es um die Zukunft der ambulanten Medizin. Erkennen Sie hier eine Richtung, in die der Gesetzgeber marschieren will?

Wolfgang Wesiack

Aktuelle Position: Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten
Werdegang/Ausbildung: Studium in München und Hamburg, 1973 Staatsexamen, 1981 Facharzt für Innere Medizin, 1993 Niederlassung in Hamburg
Karriere: 1995/96 KV-Chef in Hamburg.

Wesiack: Der Gesetzgeber muss die ambulante Versorgung umstrukturieren in Hinblick auf Kostenerstattung und Transparenz. Der Patient von heute weiß gar nicht, wie teuer die von ihm in Anspruch genommenen Leistungen sind. Unabdingbare Voraussetzung dafür sind aber feste Preise für unsere Leistungen!

Ärzte Zeitung: ... und wie wirkt sich das auf die künftige Rolle des Internisten in Klinik und Praxis aus?

Wesiack: Der Inneren Medizin, dem Herzstück der konservativen Medizin, kann man eine glänzende Zukunft voraussagen. Fast alle chronischen Erkrankungen sind internistischer Art; die Fortschritte in der Inneren Medizin sind atemberaubend. Gerade die älteren Patienten werden davon profitieren können.

Ärzte Zeitung: Ein Wort noch zum Nachwuchs: Auch in diesem Jahr wird es beim Internistentag einen Assistententag geben. Was ist die Botschaft - was geben Sie den jungen Kollegen mit auf den Weg?

Wesiack: Beim diesjährigen Assistententag geht es unter anderem um eine strukturierte Aus- und Weiterbildung trotz wirtschaftlicher Zwänge, um die Innere Medizin in der EU - aber auch um so praktische Themen wie Familienförderung in der Klinik. Die zentrale Botschaft ist: wir wollen unsere Begeisterung für dieses attraktive und faszinierende Fach weiter vermitteln.

Das Gespräch führte Wolfgang van den Bergh

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