Ärzte Zeitung, 13.09.2010

Fehlende junge Ärzte bereiten Sorgenfalten

Fehlende junge Ärzte bereiten Sorgenfalten

Der anhaltende Medizinerschwund macht dem Bundesverband Deutscher Internisten immer größere Sorgen. Lösungen seitens der Politik lassen auf sich warten.

Von Sunna Gieseke

Fehlende junge Ärzte bereiten Sorgenfalten

Das Durchschnittsalter der Ärzte steigt: Allgemeinmediziner liegen in der Alterstabelle mit 53,2 Jahren auf Platz zwei hinter den Psychotherapeuten. Internisten sind im Schnitt 51,7 Jahre und liegen damit auf Platz 6.

BERLIN. Der Bundesverband Deutscher Internisten (BDI) ist vom sich zuspitzenden Ärztemangel in Deutschland alarmiert. Vor dieser Tatsache könnten auch Politik und Krankenkassen nicht mehr die Augen verschließen, sagte BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack anlässlich des 3. Internistentages in Berlin. Er zeigte sich überzeugt, dass es in absehbarer Zeit zu wenige Ärzte geben werde.

Wesiack bezog sich auf eine kürzlich vorgestellte Studie zur Arztzahlentwicklung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK). Demnach werde es bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 7000 Hausärzte weniger geben. Allein im ambulanten Bereich müssten rund 51 800 Ärzte ersetzt werden, darunter knapp 24 000 Hausärzte. Dies sei vor allem der demografischen Entwicklung geschuldet, betonte Wesiack. Auch steige in einer alternden Gesellschaft die Morbidität und damit der Bedarf an ärztlichen Leistungen.

Gleichzeitig werden auch die Ärzte selber immer älter, ergänzte BDI-Vize Dr. Wolf von Römer. Dieser Trend sei schon in den letzten Jahren vorhersehbar gewesen und habe sich nun dramatisch fortgesetzt. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte ist von 47,5 Jahren (1993) auf 52,1 Jahre (2009) angestiegen. Der Anteil der berufstätigen Ärzte unter 35 Jahren sei von 24,8 Prozent (1993) auf 16,6 Prozent im Jahr 2009 gesunken.

Auch in der Klinik sei die Situation nicht besser. Etwa 80 Prozent der Krankenhäuser könnten offene Stellen nicht mehr besetzen. Das bedeute, dass rund 5000 Stellen im stationären Bereich unbesetzt blieben. Neueste Berechnungen belegten aber, dass künftig in Praxis und Klinik das Arbeitsaufkommen um 20 Prozent steigen werde.

Verschiedene Aspekte führten zudem dazu, dass Ärzte heutzutage weniger Arbeitszeit für ihren Beruf aufwenden können. Zum einen dürfe durch das Arbeitszeitgesetz weniger gearbeitet werden. Zum anderen hätten vor allem junge Ärzte andere Vorstellungen von ihrer Lebensplanung.

Diese Aspekte forderten ebenso wie die demografische Entwicklung der Bevölkerung aktives Handeln seitens der Politik. "Und daran fehlt es", kritisierte von Römer. Der BDI forderte daher die Politik auf, "sich ernsthaft diesem die gesamte Bevölkerung betreffenden Problems" anzunehmen. "Wir müssen sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen, ausreichende Vergütung schaffen, sonst bricht uns die ärztliche Versorgung weg", so von Römer.

Dem stimmte auch BÄK-Vize Frank-Ulrich Montgomery zu. Er betonte, dass auch aufgrund des medizinischen Fortschritts mehr Ärzte benötigt werden. Auch sei der Anteil der Frauen im Beruf deutlich gestiegen. Daher stehe die Ärzteschaft vor einem "gravierenden Strukturwandel" - er empfahl, den Begriff "Feminisierung" in diesem Zusammenhang zu vermeiden. Allerdings verändere sich durch Elternzeit und Teilzeitarbeitswunsch die Präsenz der Frauen am Arbeitsplatz. Aus diesen Gründen müssten die Arbeitsbedingungen in der Medizin der heutigen Zeit angepasst und familienfreundlicher werden.

Aber auch die Ärzteschaft selbst sei in der Pflicht, etwas zu ändern: Um den Nachwuchs zu motivieren, den Beruf des Arztes zu ergreifen, müssten die Studien- und Weiterbildungsbedingungen verbessert werden, so Montgomery. "Die jungen Kollegen müssen künftig wissen, dass sie ihre Weiterbildung in einer überschaubaren Zeit qualitativ gut durchlaufen könnten", stimmte auch von Römer zu.

[13.09.2010, 08:04:27]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Artisten in der Internistenkuppel – ratlos!
Was erwartet der BDI von jungen Ärztinnen und Ärzten?

Nachdem der Bundesverband Deutscher Internisten (BDI) in jahrelanger Verbandsarbeit die Fachärztlichen von den Hausärztlichen Internisten fein säuberlich separiert und sich gegen jegliche Perspektiven des Deutschen Hausärzteverbands (HÄV) mit der gesetzlich vorgesehenen Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) nach § 73b SGB V gestemmt hat, bzw. jetzt noch eine perspektivlos kümmerliche Kostenerstattung favorisiert, ist das Wehklagen über den ausbleibenden Arztnachwuchs nur als eine Krokodilsträne zu bezeichnen.

Hier sind Taten gefordert und nicht Worte. Die HzV-Verträge müssen von den GKV-Vertragspartnern erfüllt und nicht torpediert werden! Der Sicherstellungsauftrag in ländlichen Regionen muss neu definiert und mit jungen Haus- und Fachärzten belebt werden. Das mehrheitsbegründete Verhandlungsmandat des HÄV muss auch vom BDI akzeptiert werden.

Aber der BDI versteift sich auf Tagträumereien von willfährigen Politikern, rechtlich fragwürdigen Kostenerstattungen und einer Aufspaltung von "ganzen" und "halben" Internisten.

Mit freundlichen, kollegialen Grüßen, Dr. med Thomas G. Schätzler, FAfAM
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