Ärzte Zeitung, 16.09.2010

Rösler: Meine Kinder nur zum Pädiater!

BERLIN (dpa/HL). Angesichts zehntausender Kinder in Hausarztprogrammen hat sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) für den Besuch der Minderjährigen beim Kinderarzt stark gemacht.

Rösler: Meine Kinder nur zum Pädiater!

Zum Pädiater: Für Philipp Rösler kommt niemand anderes infrage, wenn es um seine Kinder geht.

© Kzenon / fotolia.com

"Meine Kinder sind jetzt zwei - und ich würde gar nicht im Traum drauf kommen, mit ihnen zum Hausarzt zu gehen", sagte der Vater von Zwillingen am Donnerstag beim Besuch einer Kinderarztpraxis in Berlin. Hausärzte hätten häufig ein finanzielles Interesse daran, dass Kinder in Hausarztprogramme eingeschrieben werden.

Im Hausarztvertrag der AOK Baden-Württemberg sind nach Angaben des Landessozialministeriums rund 60 000 Kinder und Jugendliche eingeschrieben. Der Berufsverband der Kinderärzte sieht das mit großer Skepsis, weil er Allgemeinärzten nicht die Expertise zur Behandlung von Kindern zutraut. Hausärzte betonen dagegen ihre Rolle in der Langzeitbetreuung von Familien.

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Philipp Rösler (1035)
[26.09.2010, 01:54:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zum letzten Beitrag von Kollege Thomas Prouschil: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!
Ihre Argumentation, Herr Kollege Thomas Prouschil, ist breit und bräsig. Auch ein dickes Lehrbuch der Kinderheilkunde (und Kinderchirurgie) disqualifiziert sich nicht durch die Genauigkeit und Ausführlichkeit seiner Darstellung. Aber vielleicht hatten Sie ja auch Probleme, was Dr. Carsten Scholz als Meinung der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes per E-Mail und auch als Beitrag des Forums Pädiatrie im HÄV so exakt und kollegial dargestellt hatte, selbst zu verinnerlichen.
Ihre Polemik fällt auf Sie selbst zurück. Mit kollegialem Gruß! zum Beitrag »
[23.09.2010, 07:20:15]
Thomas Prouschil 
Recht so...
Das ein Großteil der Hausärzte so denkt, wie in den voluminösen Kommentaren, liegt schlicht und ergreifend einfach daran, dass ihr Wissen um die Komplexität der Pädiatrie nicht ausreicht. Sonst würde keine solche kollektive Selbstüberschätzung stattfinden. zum Beitrag »
[22.09.2010, 11:52:07]
Gabriele Wagner 
Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes rügt Bundesgesundheitsminister Rösler
Per E-Mail schickte uns Dr. Carsten Scholz diese ergänzende Information:

Beschlüsse der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes am 16./17. September 2010 in Berlin (nachzulesen unter http://www.hausaerzteverband.de/cms/fileadmin/user_upload/redaktion/bundesverband/news/beschluesse/2010_09_16_beschluesse.pdf):

Die Delegiertenversammlung kritisiert und missbilligt die Äußerungen des Bundesgesundheitsministers Rösler in der Ärztezeitung vom 17./18.09.2010 angesichts millionenfacher Behandlungen von Kindern durch Hausärzte.
Rösler äußerte sich wie folgt: „Meine Kinder sind jetzt zwei - und ich würde gar nicht im Traum darauf kommen, mit ihnen zum Hausarzt zu gehen.“ Die deutsche Hausärzteschaft ist empört und verwahrt sich gegen einen erneuten Angriff des Bundesgesundheitsministers auf die Kompetenz der deutschen Hausärzteschaft in einer scheinheiligen negativen Qualitätsdiskussion.

Der Minister maßt sich an, in das gewachsene Vertrauensverhältnis von Eltern und behandelnden Hausärzten einzugreifen. Er kritisiert und bevormundet die Eltern, die sich für eine Teilnahme ihrer Kinder an der hausärztlichen Versorgung entscheiden.
Es ist traurig aber auch bezeichnend, dass dem Ressortminister für Gesundheit nicht bekannt zu sein scheint, dass die Sicherstellung der medizinischen Versorgung für Familien auf dem Lande zum überwiegenden Teil von den Hausärzten gewährleistet wird.
 zum Beitrag »
[18.09.2010, 13:39:43]
Dr. Carsten Scholz 
Stellungnahme des Forum Pädiatrie im Hausärzteverband: Rösler: Meine Kinder nur zum Pädiater!
Entweder kennt Herr Minister Rösler die Aufgabe der Hausarzt- und Familienmedizin nicht oder er ignoriert bewußt den von Eltern und Kindern/Jugendlichen gewollten Versorgungsauftrag bzw. die seit jahrzehnten bestehende Versorgungrealität.

Bisher besteht ein gut funktionierendes qualitativ hochwertiges DUALES hausärztliches Versorgungssystem für Säuglinge, Kinder und Jugendliche:

Die Eltern haben die freie Wahl, ob sie mit ihrem Nachwuchs zum Allgemeinmediziner oder zum Pädiater gehen.

Nach unterschiedlichen Kriterien wie Erreichbarkeit, Hausbesuchstätigkeit, Behandlung im Familienverbund und Versorgungsqualität werden bisher ca. 50% der 5-9jährigen Kinder zur Grundversorgung bei Allgemeinärzten und Familienmedizinern vorgestellt.

Über 80 % der pädiatrischen Notfälle, der überwiegende Teil der Hausbesuche und etwa die Hälfte der Gesamtkontakte ab dem Grundschulalter von Hausärzten geleistet.

Dass dieser zusätzliche Kinderanteil aus Kapazitätsgründen von den niedergelassenen Pädiatern nicht suffizient behandelt werden kann, wird niemand, der die Diskussion seriös führt, bestreiten wollen.

Wichtiger jedoch: Familienmediziner/Allgemeinmediziner werden von zahlreichen Eltern für ihren Nachwuchs ausdrücklich als Hausarzt GEZIELT ausgewählt und sind in ihrem Versorgungsauftrag nicht zu ersetzen

Das Forum Pädiatrie des Deutschen Hausärzteverbandes hat auf der Grundlage des Positionspapiers der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM e.V.) zur dualen Grundversorsorgung von Kindern und Jugendlichen durch Pädiater und Allgemeinmediziner ein Thesenpapier erarbeitet, das auf der Bundesdelegiertenkonferenz des Deutschen Hausärzteverbandes im September 2009 einstimmig konsentiert worden ist (hier auszugsweise):

- Die primärärztliche Versorgung von Kindern erfolgt in Deutschland auf qualitativ hohem Niveau durch Pädiater und Allgemeinmediziner.

- Im europäischen Vergleich schneidet die primärärztliche pädiatrische
Versorgung durch sowohl Allgemeinmediziner als auch Pädiater nicht schlechter ab
als die medizinische Versorgung von Kindern allein durch Pädiater.

- Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass die Durchführung von
Kindervorsorguntersuchungen durch Hausärzte den Standards nicht genügt.

- Es gibt also keine medizinischen Gründe, dieses bewährte System der gemeinsamen primärärztlichen Versorgung von Kindern durch Hausärzte und Pädiater zu verlassen.

- Es gibt zudem dazu auch keine Möglichkeit: Pädiater allein könnten in Deutschlanddie Vielzahl an hausärztlichen Behandlungsfällen von unter 18-Jährigen rein faktisch gar nicht übernehmen, geschweige denn die nächtliche und Wochenendbereitschaft für diese schaffen:

Ungefähr 80% der pädiatrischen Unzeitkontakte, der überwiegende Teil der Hausbesuche, ca. 54% der Gesamtkontakte bei Kinder bis 18 Jahren, wobei der Anteil hausärztlicher Versorgung schon in der Altergruppe der 5-9jährigen bei 50% liegt, werden i.R. der hausärztlichen Grundversorgung von Allgemeinärzten geleistet. (Quelle: „Kindergesundheit in der hausärztlichen Versorgung“, Vortrag Dr. med. Cornelia Goesmann, Bundesärztekammer, anlässlich des 110. Deutschen Ärztetages in Münster, Mai 2007)

- Die Weiterbildung beider Fachgruppen weist nicht unerhebliche Defizite in Hinblickauf die primärärztliche Versorgung von Kindern auf: während die Pädiater fast ausschließlich im stationären Versorgungsbereich weitergebildet und kaum auf die präventivmedizinische und psychosomatische Tätigkeit in der primärärztlichen Versorgung vorbereitet werden, fehlt den Allgemeinmedizinern häufig die Erfahrung mit schwerkranken Kindern. Dafür sind letztere deutlich besser für die ambulanten primärärztlichen Tätigkeiten wie Impfungen, Vorsorgen, Kommunikation mit Patienten sowie dem Aufbau tragfähiger Arzt-Patienten-Beziehungen qualifiziert.

- Hausarztmedizin ist Familienmedizin. Die primärärztliche Betreuung von Kindern ist im Setting der hausärztlichen Familienmedizin eine ganzheitliche, präventiv ausgerichtete und unmittelbare. Die langfristige Bindung zwischen Hausarzt und der ganzen Familie birgt ein ungeheures Potential präventiv- und sozialmedizinischer Versorgung.

- Hausärzte sind durch Aus- und Weiterbildung (mind. 2 Jahre obligate Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen und/oder familienmedizinischen Praxis mit der Möglichkeit des Erwerbs eingehender Kenntnisse und Fertigkeiten in der kurativen und präventiven hausärztlichen Kinderversorgung mit Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung) qualifiziert, um folgende Bereiche der primärärztlichen pädiatrischen Versorgung zusammen im dualen Versorgungsystem mit hausärztlich tätigen Pädiatern abzudecken:

1.akute Erkrankungen mit Erkennung abwendbar gefährlicher Verläufe

2.Prävention mit Durchführung von Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen (U2-J1)

3.Diagnose und Behandlung von Krankheits-, Verhaltens- und Entwicklungsproblemen
im familiären Kontext, Behandlung häufiger chronischer Erkrankungen (z.B. Asthma, Rhinokonjunktivitis, Neurodermitis, AD(H)S, etc.)

- Die Bestrebungen, Hausärzte aus der primärärztlichen Versorgung von Kindern durch Selektivverträge mit Pädiatern herauszudrängen, ist nicht nur wissenschaftlich nicht zu begründen, sondern auch gesundheitspolitisch fatal: ein nicht unbeträchtlicher Teil von Kindern wird nicht in den Genuss der Vorteile dieser Verträge kommen (z.B. zusätzliche Vorsorgen). Durch diese Verträge werden Hausärzte aus der Versorgung gerade der Altersgruppen der 5-18-Jährigen herausgedrängt, die in hoher Zahl (über 50%) lieber einen Allgemeinmediziner als einen Pädiater aufsuchen.

- Eine gute Kooperation zwischen Hausärzten und niedergelassenen Pädiatern sowie
den pädiatrischen Spezialambulanzen und Krankenhäusern ist für eine gute primärärztliche Versorgung von Kindern essentiell.

Das bedeutet konkret:
- Öffnung der pädiatrischen Spezialambulanzen für Allgemeinmediziner
- Öffnung der bislang mit Pädiatern abgeschlossenen Spezialverträge für
Allgemeinmediziner, die sich an der primärärztlichen Versorgung von Kindern
beteiligen
- Schaffung gemeinsamer Weiterbildungsabschnitte für Pädiater und
familienmedizinisch orientierten Allgemeinmedizinern im stationären und ambulantenBereich
- Gemeinsame Qualitätszirkel von Pädiatern und Allgemeinmedizinern zu pädiatrisch-familienmedizinischen Themen auf lokaler Ebene
- Beteiligung von sowohl Pädiatern als auch Hausärzten an lokalen interdisziplinären Netzwerken zum Thema Kindergesundheit.

Die drängenden Themen der Kinder- und Jugendgesundheit lassen es nicht zu, dass
die beiden Arztgruppen, die sich um die primärmedizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen kümmern, sich gegenseitig bekämpfen.

Umso bedauerlicher, dass der Bundesgesundheitminister diese sinnlosen an der Realität vorbeigehenden Auseinandersetzungen durch diese unangemessene Bemerkung in der Öffentlichkeit schürt.

Dr. med. Carsten Scholz
Forum Pädiatrie im Hausärzteverband Westfalen-Lippe e.V.
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[17.09.2010, 23:55:18]
Johann Gruber 
Rösler: Meine Kinder nur zum Pädiater!
Das hat es noch nicht gegeben. Einen Bundesgesundheitsminister, der den Hausärzten pauschal die Qualifikation zur Behandlung von Kindern abspricht. Abgesehen von der Diffamierung unserer Hausärzte, belegt diese Aussage auch die besorgniserregende Ahnungslosigkeit des obersten Gesundheitspolitikers im Land sowohl über die Versorgungsstrukturen insbesondere in ländlichen Regionen als auch über die Hausarzt- und Kinderarztverträge.
In Bayern können die Eltern eines Kindes, das im Rahmen der Pädiatriezentrierten Versorgung (PzV) in den AOK-Kinder- und Jugendarzttarif mit erweiterten Leistungen eingeschrieben ist, mit ihrem Kind auch ihren Hausarzt aufsuchen, wenn der gewählte Kinderarzt z. B. wegen Abwesenheit oder mangels Fahrgelegenheit usw. nicht erreichbar oder die Fahrt zu einem Kinderarzt in einer anderen Stadt unzumutbar ist.
Der an der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) teilnehmende Hausarzt erhält in diesem Fall sogar eine adäquate Vergütung. zum Beitrag »
[16.09.2010, 23:34:06]
Dr. Thomas Assmann 
Trauma Rösler
Keine Ahnung, lieber Herr Rösler welchem vorrangegangenen Erlebnis es zurrück zu führen ist, daß Sie jegliches Maß an Geschmacklosigkeit verloren haben, ihre ehemaligen Komilitonen so zu diskriminieren!!!!
Lieber Herr Rösler viele Hausärzte haben Kinder und ob Sie es glauben oder nicht sie können diese auch medizinisch versorgen!!!!
Was erhoffen Sie sich von solchen Aussagen? Wenn Sie die Hausärzte weiter versuchen ins schlechte Licht zu rücken werden sie bald Ihre Bürger gegen sich haben. Diese sind nämlich gottfroh, wenn im Notfall auch ein Hausarzt nach deren Kinder schaut. Vielleicht wissen Sie es ja noch nicht,aber Hausärzte machen überwiegend Notdienste!!!!!!!!
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[16.09.2010, 23:26:33]
Christoph Polanski 
Und was ist mit Tierärzten?
Müssen wir tatsächlich unseren Regierungkabarettist und seine Sprüche erst nehmen?
Hundeverzehrer können ihre Kinder auch zum Tierarzt bringen :) zum Beitrag »
[16.09.2010, 16:45:53]
Frank Wagner 
Rösler: Meine Kinder nur zum Pädiater?
Welcher Pädiater? Wenn es in vielen Städten und Dörfern keinen gibt und selbst der Besuch bei einem Hausarzt zum Luxus wird. Mit einem kranken Kind wuerde ich keinen langen Fahrten unternehmen und dann Stundenlang warten. Ausserdem kennen Hausärzte die Familien und die Neugeborenen sehr gut bereits vor der Geburt, wissen viel auch ueber das soziale Umfeld. Bitte sachlich diskutieren und vor allem mal die Realitäten zur kenntnis nehmen.

Frank Wagner zum Beitrag »
[16.09.2010, 15:04:45]
Dr. Thomas Assmann 
Der Krieg des Dr. Rösler
Rösler versucht mit allen Mitteln die Hausärzte platt zumachen.
Wenns noch nicht mit gebrochnen Vereinbarungen klappt, wird versucht
die Hausärzte noch als fachliche Trottel darzustellen und Ihnen die
Ehre abzuschneiden !

Das Faß laüft gerade über Herr "Kollege" Rösler!!!!!!!!!!!!
 zum Beitrag »

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