Ärzte Zeitung, 21.09.2010

Kommentar

Röslers Lob der Kinderärzte ist wie Honig mit bitterem Nachgeschmack

Von Helmut Laschet

Die Präferenz von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, seine Kinder ausschließlich vom Kinderarzt behandeln zu lassen, mag der Versorgungssituation in seiner Heimatstadt Hannover entsprechen. In ländlichen Regionen sieht die Wirklichkeit schon heute anders aus, und zu Recht ist beim Kinderärztekongress in Potsdam auf die wahrscheinlich wachsenden Versorgungslücken hingewiesen worden.

Da wird es dann zum Ärgernis, wenn der allgemeinmedizinische gebildete Hausarzt sich quasi als wenig qualifizierter Lückenbüßer bewertet sehen muss. Tatsache ist, dass auch Allgemeinärzte Kinder behandeln (müssen), weil es keine Alternative dazu gibt.

Beide Berufsverbände sind in Kontraposition gegangen - mit unrealistischen Ansprüchen. Die Lösung liegt in pragmatischen Kooperations- und Konsultationsstrukturen, die die jeweilige regionale Realität berücksichtigen. Das zu organisieren wäre eine produktive Leistung der Verbände.

Röslers Honig für die Kinderärzte ist dazu kein sinnvoller Beitrag. Er klebt den Hausärzten bitter auf der Zunge. Und politisch ist es nicht ungefährlich, sich in Partikularinteressen zu verknoten.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Pädiater fürchten Versorgungslücken, wollen aber nicht mit Hausärzten teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »