Ärzte Zeitung, 13.10.2010

Kommentar

Kolbenfresser im KV-System

Von Helmut Laschet

Noch jede Honorarreform hat ihre Verlierer gehabt. Das gilt sogar dann, wenn global mehrere Milliarden Euro zusätzlich ins KVSystem fließen, wie dies in den vergangenen drei Jahren geschehen ist.

Korrektur- und Adjustierungsläufe in den Folgequartalen sind notwendig und waren auch in der Vergangenheit üblich. Dass aber nun, fast zwei Jahre nach Inkrafttreten einer neuen Honorierungssystematik, die auf einer Morbiditätsorientierung aufsetzt, die Verwerfungen noch immer nicht bereinigt sind, ist eine neue Qualität der Selbstblockade im KV-System.

Offenkundig ist: Dieses System hat einen Kolbenfresser. Das lässt sich nicht mehr damit reparieren, indem einfach mehr Öl in den Motor gegossen wird. Vorschläge aus der CSU wie der des Abgeordneten Singhammer, den Ärzten nochmals einen Nachschlag zu gewähren, bringen den Motor auch nicht zum Laufen. Bei weiteren Strukturreformen muss das KV-System auf den Prüfstand. Da sich der Föderalismus nicht abschaffen lässt, die zentralistische Steuerung durch KBV aber offenbar versagt hat oder konterkariert wird, bleibt nur eines: Mehr Kompetenz und Verantwortung in der Region.

Lesen Sie dazu auch:
Honorar: Multiple Blockade im KV-System

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17239)
Organisationen
KBV (6493)
Personen
Helmut Laschet (1281)
[15.10.2010, 18:26:13]
Dr. Reiner Blessing 
der KV-Motor stottert seit vielen Jahren, das Fahrzeug ist völlig überladen -die Lösung :Kostenerstattung ...
für das gros der Patienten. Zwei Drittel der Patienten könnten ihre Rechnung erhalten, deren Richtigkeit selbst kontrollieren und sie ihrer Kasse zur Erstattung des Kassen-Anteils einreichen. Anschließend überweist der Pat. Kassen- und Eigenanteil = Rechnungsumme an seinen Arzt. Das schafft Kostenbewußtsein, spart Bürokratie und gäbe den Praxen wieder eine Existenzgrundlage. Die KV wäre nur für Harzer und Minirentner nötig, sie könnte gesundschrumpfen. Die Massenauswanderung deutscher Ärzte würde enden, die Versorgung in der Peripherie wäre wieder gesichert - ganz ohne Mauer und Schießbefehl . zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Jo-Jo-Effekt ist riskant fürs Herz

Gewichtsschwankungen sind vermutlich schädlich fürs Herz. Darauf deuten die Ergebnisse einer großen Studie mit KHK-Patienten hin. mehr »

Haus- oder fachärztlicher Patient? Diese Diskussion ist toxisch!

Der neue KBV-Vorstand will den Konflikt zwischen Haus- und Fachärzten überwinden. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" wird klar, welche Forderungen die Vertragsärzte an die Politik haben. mehr »

Poesie hilft Demenzpatienten zurück ins Leben

Gedichte können Wunder wirken – davon ist Lars Ruppel überzeugt. In Workshops zeigt der Hesse Pflegeheim-Mitarbeitern, wie sie Demenzpatienten mit Lyrik aus der Isolation holen können. mehr »