Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Pädiater warnen vor einem Primärarztsystem

BAD ORB (ras). Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat bei seinem Herbstkongress in Bad Orb die Bundesregierung aufgefordert, die Primärversorgung von Kindern und Jugendlichen durch Pädiater im SGB V zu verankern.

Wie BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann vor den knapp 600 Teilnehmern des 38. Herbstkongresses des BVKJ erklärte, werde im jüngsten Gesetzesentwurf der Bundesregierung die Vorrangstellung der Allgemeinärzte in der hausärztlichen Versorgung festgeschrieben. Hartmann sieht darin das Risiko, dass langfristig ein Primärarztsystem wie in anderen europäischen Ländern entsteht.

Damit würde die Primärversorgung von Kindern durch Pädiater ausgehöhlt. Dies würde aber auch unnötige Kostenbelastungen nach sich ziehen. So habe gerade die letzte Grippesaison mit der hohen Rate an H1N1-Infektionen bei Kindern gezeigt, dass mit Hilfe der Pädiater in erheblichem Umfang stationäre Behandlungskosten eingespart werden konnten. Laut Hartmann lag die Zahl der stationär zu behandelnden schwer grippekranken Kinder und Jugendlichen hierzulande um 80 Prozent niedriger als in Ländern ohne Primärversorgung durch Kinder- und Jugendärzte.

Zudem sei erwiesen, dass von Pädiatern weit weniger Antibiotika für Kinder verordnet werden als von allen anderen Arztgruppen. Schließlich seien die Pädiater auch Vorreiter bei den Kinderfrüherkennungsuntersuchungen. Damit gelinge es häufig, Krankheiten frühzeitig zu entdecken und die Patienten mit geringem Aufwand zu behandeln.

[15.10.2010, 11:44:47]
Dr. Jürgen Schmidt 
Wer in den eigenen Köder beißt, wird am Ende verhungern !
Als die Hausärzte Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts in den Ministerien und bei Gesundheitspoilitikern die Klinken putzten, um das Hausarztsystem auf den Weg zu bringen
und gleichzeitig die ärtzlichen Fachverbände zu beschwichtigen suchten, diese seien davon nicht betroffen, da haben die Spitzenfunktionäre der Kinderärzte nicht nur trotz aller Warnungen der Internisten geschwiegen, sondern opportunistisch an ihren Vorteil einer Primärversorgung auf dem eigenen Fachgebiet geglaubt.
Die gesundheitsökonomischen Pseudoargumente sollte man sich sparen.
Aber es geht nicht nur um die Pfründe. Die Verselbstständigung der einzelnen Fachgruppen durch gesetzlich oder vertraglich geregelte Versorgungsprivilegien zementiert die Zersplitterung der Ärzteschaft, die zur vollständigen Zerstörung der gemeinsamen berufspolitischen Kampffähigkeit führt. Die Reste des freien Berufes und die wirtschaftliche Existenz der freien Praxis stehen auf dem Spiel! Vermeintliche kurzfristige Vorteile kehren sich in's Gegenteil! zum Beitrag »
[15.10.2010, 09:50:13]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Falsche Schlussfolgerungen
Die zitierten Daten sind korrekt, aber falsch interpretiert.
Die Influenzawelle in Deutschland war insgesamt sehr milde - bei Kindern wie bei Erwachsenen.
Wenn Pädiater weniger Antibiotika verordnen, kann das auch daran liegen, dass sie sich weniger um akut kranke Kinder kümmern (können); die werden laut Statistik insbesondere auf dem Lande eher von Hausärzten versorgt.
Kindervorsorgen (aber nicht Jugendlichenvorsorgen) werden derzeit häufiger bei Kinderärzten gemacht - das führt auch in der Stadt dazu, dass Kinderärzte auf Wochen ausgebucht sind und zu Allgemeinärzten oder zum Bereitschaftsdienst gehen. So ist es jedenfalls hier vor Ort.
Warum nicht weiter zusammenarbeiten? zum Beitrag »

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