Ärzte Zeitung, 22.10.2010

Interview

"Angehörige sollten nicht zögern, die 112 anzurufen!"

Boehringer ist Partner des Schlaganfall-Projekts. Dr. Joachim Leonard erklärt, warum.

"Angehörige sollten nicht zögern, die 112 anzurufen!"

Medical Advisor: Dr. Joachim Leonard.

© Boehringer

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Leonard, was wollen Sie mit der Aktion gegen den Schlaganfall erreichen?

Joachim Leonard: Die Betroffenen und ihre Familien sollen selber die Anzeichen eines Schlaganfalls erkennen können: zum Beispiel plötzlich auftretende halbseitige Lähmungen, Lähmungen beim Sprechen oder Sehstörungen. Dann muss sofort die 112 gewählt und der Krankenwagen geholt werden. Das heißt auch: Nicht auf den Hausarzt warten und auch nicht abwarten, bis die Symptome vorbei sind. Dabei vergeht viel zu viel Zeit. Auch wer sich unsicher ist, kann auf Verdacht hin einen Krankenwagen bestellen und den Patienten in eine Stroke Unit bringen lassen. Dort wird die beste Differenzialdiagnose gemacht. Also: nicht verzögern, keine Angst haben.

Ärzte Zeitung: Was können niedergelassene Ärzte tun?

Leonard: Bei einem akuten Schlaganfall sollten sie Ähnliches wie die Angehörigen tun: den Patienten zeitnah in die Stroke Unit bringen lassen.

Ärzte Zeitung: Warum haben Sie im Rahmen der Aktion Hannover gegen den Schlaganfall auch niedergelassene Ärzte angesprochen? Die Zusammenhänge sind doch allen Hausärzten bekannt.

Leonard: Das stimmt, die Ärzte wissen in der Regel Bescheid. Aber man kann nicht oft genug an die Gefährlichkeit des Schlaganfalls erinnern. Nur wenn ein Patient innerhalb von drei Stunden in die Stroke Unit kommt, kann mit einer Lysetherapie Schlimmeres verhindert werden.

Ärzte Zeitung: Gilt das schnelle Handeln nur bei schweren Schlaganfällen?

Leonard: Auch leichte Schlaganfälle und transitorische ischämische Attacken, die TIAs, sind sehr gefährlich. Denn nach diesen kleineren Attacken haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko, einen großen Schlaganfall zu erleiden und zwar innerhalb von wenigen Tagen.

Das Gespräch führte Christian Beneker.

Lesen Sie dazu auch:
Interview: "Angehörige sollten nicht zögern, die 112 anzurufen!"
"Viele unterschätzen die Gefahren des Schlaganfalls"
Die Zahl der Patienten in den Stroke Units ist gestiegen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »