Ärzte Zeitung, 22.10.2010

Die Zahl der Patienten in den Stroke Units ist gestiegen

Was in München jetzt startet, hat die niedersächsische Landeshauptstadt bereits mit der Kampagne "Hannover gegen den Schlaganfall" getestet. Ein Ergebnis: Mehr Patienten wurden direkt von Spezialisten versorgt.

Von Christian Beneker

Die Zahl der Patienten in den Stroke Units ist gestiegen

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) - Ein wichtiger Partner bei der Aktion "Hannover gegen den Schlaganfall".

© Rust / imago

HANNOVER. Der Schlaganfall ist immer ein Notfall - so der Grundsatz der Aktion "Hannover gegen den Schlaganfall". Um vom Schlaganfall betroffene Patienten sofort und ohne Umwege über die Arztpraxis in die Fachklinik beziehungsweise in eine Stroke Unit zu bringen, haben die Initiatoren in den vergangenen Monaten tausende von Hannoveranern über die Vorboten der gefährlichen Erkrankung informiert. Zudem wurde die Arbeit der Stroke Unit besser koordiniert und auch die Rettungsdienste mit einbezogen.

Unter der Schirmherrschaft von Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) haben sich viele Akteure zusammengefunden. Initiatoren der Kampagne sind unter anderem der Neurologe Professor Reinhard Dengler, Chef der Klinik für Neurologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Professor Andreas Schwartz, Chef der Klinik für Neurologie am Klinikum Nordstadt, Professor Hans Anton Adams von der interdisziplinären Notfall- und Katastrophenmedizin der MHH sowie das forschende Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Mit an Bord der Kampagne wurden Apotheker, Rettungsdienste, niedergelassene Ärzte und Krankenkassen genommen.

Im Frühjahr des Jahres wurde die Informationskampagne für die Bevölkerung gestartet. Sie bedient sich vielfältiger Medien: Plakate und Flyer in Apotheken, Doppeldeckerbusse und eine Aufklärungsaktion vor dem Hauptbahnhof in Hannover, TV-Spots auf den Bildschirmen der Straßenbahnen und sogar im Fußballstadion von Hannover 96. Außerdem gab es Seminare für den Rettungsdienst und Arzt-Patienten-Seminare, sowie Leitlinienschulung für niedergelassene Ärzte. Auch haben viele niedergelassene Ärzte Flyer und Wartezimmerplakate mit Grafiken der Schlaganfall-Symptome erhalten.

"Wenn die Menschen die Symptome eines Schlaganfalls erkennen, werden sie eher zum Telefonhörer greifen und die Notrufnummer 112 wählen", erklärte Dr. Joachim Leonard, Medical Advisor bei Boehringer Ingelheim (siehe Interview). "So können Leben gerettet werden."

Weltweit sterben jährlich sechs Millionen Menschen am Schlaganfall. "Allein in Deutschland zählen wir im Jahr 230 000 bis 250 000 Schlaganfälle", so Birgit Härtle, Koordinatorin des Projektes bei Boehringer Ingelheim. Nach Angaben der MHH sind es in Hannover allein 2500 jährlich. "Der Schlaganfall ist inzwischen die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter", sagt Professor Reinhard Dengler. Die Schwere und die Häufigkeit der Erkrankung sind der Anlass für Boehringer Ingelheim gewesen, sich gegen den Schlaganfall zu engagieren. Denn nur 25 Prozent der Bevölkerung wissen, welche Symptome ein Schlaganfall zeigt, heißt es. "Das ist einer der Gründe dafür, dass nur etwa ein Drittel aller Betroffenen innerhalb des Drei-Stunden-Fensters in die Klinik kommt", so Härtle.

Erste Erfolge des Projektes sind indessen zu verbuchen. In der MHH wurde bereits im Laufe der Aufklärungskampagne ein Anstieg der Schlaganfallpatienten in der Stroke Unit festgestellt, erklärt Dengler. In Zukunft wollen die Mitarbeiter der vier Stroke Units der Stadt bei regelmäßigen Treffen die Versorgung koordinieren. Das Aufklärungspaket wurde auch schon für Berlin, Trier, das Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, Amberg, Thüringen und eben erst für München geschnürt (siehe oben). Hannover war das Pilotprojekt. "Die telefonische Evaluation ist abgeschlossen", erklärt Härtle. "Wir analysieren derzeit die Daten. Sie werden bald veröffentlicht werden."

Aber so viel ist klar: Die Hannoveraner Stroke Units wollen ihre Kapazitäten besser abstimmen, damit jeder Patient sofort einen Platz bekommt, so Dengler. Und die Rettungsdienste der Stadt haben ein spezielles Leitsystem entwickelt, damit die Rettungswagen gezielt die richtigen Kliniken anfahren.

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