Ärzte Zeitung, 25.10.2010

Ausbildung von Psychotherapeuten - Regierung sieht keinen Grund zur Eile

BERLIN (fst). Die Grünen im Bundestag werfen der Bundesregierung vor, den Reformbedarf bei der Ausbildung von Psychotherapeuten zu ignorieren. In der Antwort auf eine Anfrage der Grünen heißt es, die Regierung plane vorerst keine Initiative, um eine bundesweit einheitliche Handhabung der Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung wiederherzustellen.

Die Länder hatten noch im Sommer die Regierung gedrängt, kurzfristig einen Masterabschluss für die Ausbildung zum Psychotherapeuten gesetzlich vorzuschreiben, um gleiche Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung zu gewährleisten. Doch eine solche Initiative weist das Gesundheitsministerium zurück.

Für Birgitt Bender, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, "drückt sich die Regierung vor notwendigen, kurzfristigen Entscheidungen". Nichtstun führe "zu einem Flickenteppich länderspezifischer Regelungen, die später nur schwer wieder einzufangen sind", so Bender.

Besonders ärgert die Grünen, dass dem Ministerium seit Mai 2009 ein Gutachten vorliegt, in dem Lösungsvorschläge für eine Reform der Ausbildung vorgelegt werden. Jetzt erklärt die Regierung erstmals, die "im Gutachten enthaltenen Aussagen zur dualen Ausbildungsstruktur versus Direktausbildung reichen als Grundlage für eine Entscheidung nicht aus".

Das Thema müsse "mit den Gutachtern, weiteren Sachverständigen und den Ländern nochmals vertieft diskutiert werden", heißt es in der Antwort. Aus Sicht von Bender "fordert das Gesundheitsministerium grundsätzliche Debatten, übernimmt jedoch keine Anstrengungen, diese zu strukturieren".

Im Mai hatte der Deutsche Psychotherapeutentag Eckpunkte für eine Reform der Ausbildung vorgelegt. Danach sollten Studierende bereits im Grundstudium psychologische Grundkenntnisse auf Masterniveau erwerben, auf deren Grundlage eine postgraduale Ausbildung dann für den einheitlichen Psychotherapeutenberuf qualifizieren soll.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (16861)
Personen
Birgitt Bender (174)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »