Ärzte Zeitung, 04.11.2010

Neugeborenen-Screening wird von zwei Kassen unterstützt

Rund 17 000 Babys werden in Sachsen-Anhalt pro Jahr geboren - jedes Tausendste ist von einer Stoffwechselerkrankung betroffen. Ein Screening soll Risiken aufdecken.

MAGDEBURG (zie). In Sachsen-Anhalt soll das Modellprojekt "Tracking" helfen, schon bei Neugeborenen genetische Stoffwechselerkrankungen zu diagnostizieren. Für das Projekt haben die Initiatoren von der Magdeburger Unikinderklinik Partner gewonnen: die IKK gesund plus und die Techniker Krankenkasse.

Seit 1992 wird im Stoffwechselzentrum der Magdeburger Universitätskinderklinik das Blut aller Babys innerhalb von 36 bis 72 Stunden nach der Geburt auf 14 genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen untersucht. 150 Screening-Ergebnisse waren in dieser Zeit auffällig.

"Eine frühzeitige Behandlung kann schwere geistige und körperliche Schäden meistens verhindern", so Professor Klaus Mohnicke, Leiter des Zentrums für Neugeborenenscreening und Stoffwechselerkrankungen.

Der Initiator des Neugeborenenscreenings in Sachsen-Anhalt hat die beiden Kassen für das Projekt ins Boot geholt. Jens Hennicke, Leiter der TK-Landesvertretung, zeigt sich vom Projekt überzeugt: "Screening ist das eine. Aber was passiert mit den Kindern, die diagnostiziert wurden? Werden sie richtig therapiert? Viele Eltern sind mit der Situation, plötzlich ein krankes Kind zu haben, völlig überfordert. Da setzt unsere Hilfe an."

Auch IKK-Vorstand Uwe Schröder verspricht sich von dem bundesweit einmaligen Vorsorgeprojekt, dass betroffene Kinder alle in der Folge notwendigen Behandlungen in Anspruch nehmen können. Obwohl sich die Kosten pro Fall durch das "Tracking" lediglich um 13 Euro erhöhen, fanden sich nur IKK und TK bereit, das Modell zu unterstützen.

Beide Kassen wollen sich dafür einsetzen, dass das Projekt künftig von allen gesetzlichen Krankenkassen als Leistung anerkannt wird. Doch das kann Jahre dauern. Da manche der 14 untersuchten Stoffwechselerkrankungen sehr selten auftreten, wird eine Zusammenarbeit mit Thüringen und Sachsen angestrebt.

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