Ärzte Zeitung, 01.03.2011

Kommentar

Ein unflätiger Vergleich

Von Ilse Schlingensiepen

In (berufs-)politischen Auseinandersetzungen fallen mitunter harte Worte, Polemik gehört zum Spiel. Dazu gehört aber auch die Regel, die Grenze zur Beleidigung und Schmähkritik nicht zu überschreiten. Dies tut aber der Präsident der Freien Ärzteschaft Martin Grauduszus.

Er vergleicht den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Köhler mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und spricht von einer "Berlusconisierung" der KBV.

Das ist schon ungeheuerlich. Das System Berlusconi ist gekennzeichnet durch skrupellose Machtpolitik und das schamlose Ausnutzen des Staates für eigene Interessen. Durch die zahlreichen Affären, in die der Politiker verwickelt ist, steht der Name inzwischen für illegale Machenschaften, die Nähe zur Halbwelt und offen sexistisches Verhalten.

Egal, wie hart man in der ärztlichen Standespolitik mit einem Gegner ins Gericht gehen möchte - der Vergleich mit dem Italiener ist unflätig.

Zwar betont Grauduszus, dass er nur den Machtmenschen Berlusconi im Blick gehabt habe und keine ehrenrührige Herabminderung Köhlers. Aber dann hätte es auch eine andere Wortwahl getan!

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Freie Ärzteschaft polemisiert gegen KBV-Spitze

[01.03.2011, 21:51:24]
Peter Orthen-Rahner 
Unflätig = sittenlos?
Die von mir hoch geschätzte Kommentatorin sollte schlüssig belegen, an welcher Stelle der Verlautbarung des Präsidenten der 'Freien Ärzteschaft' der von ihr so wahrgenommene Vergleich zwischen Berlusconi undKöhler tatsächlich gezogen wird. Nichts lag Martin Grauduszus ferner, als diesen Zusammenhang herzustellen. Der System-Vergleich wurde geführt, um vor dem Hintergrund der aktuellen Satzungsänderung der KBV plakativ deutlich zu machen, dass auch im Bereich der KBV, wie Sie richtig schreiben, "Machtpolitik und das schamlose Ausnutzen des Staates - im Sinne der FÄ-Verlautbarung 'der KBV'" - Bestandteil der politischen Arbeit dieser Körperschaft sind.

Insofern gerade Grauduszus Sittenlosigkeit vorzuwerfen - denn nichts anderes bedeutet der von Ihnen benutzte Begriff "unflätig" - entbehrt von daher jeglicher Grundlage. Der Präsident der 'Freien Ärzteschaft' hat vielmehr die Stimmungslage des ganz überwiegenden Teiles der deutschen Kassen-Ärzteschaft auf den Punkt gebracht - mit "harten Worten und Polemik, die zum Spiel gehören", wie Sie richtigerweise schreiben.

Ansonsten: 'Chapeau' für den Berichtsteil zum Komplex. Die Ärzte Zeitung weist korrekt auf die Satzungs-Winkelzüge hin - und das war immerhin die Kern-Botschaft der FÄ-Verlautbarung.

Peter Orthen-Rahner
Pressesprecher der
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