Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 03.03.2011

Hausärzteverband sieht sich als zweite Säule der Versorgung

Nach Ansicht des Hausärzteverbands soll die Versorgung auf zwei Säulen stehen: auf Kollektiv- und Selektivverträgen. Auch die Rolle des Hausarztes soll neu definiert werden.

Hausärzteverband sieht sich als zweite Säule der Versorgung

Weigeldt: Hausärzte als zentrale Koordinatoren und Schnittstellenmanager.

© Hausärzteverband

BERLIN (sun). Der Hausärzteverband hat angekündigt, Vorschläge für einen Gesetzentwurf zur Stärkung der ambulanten Versorgung vorzulegen. Darin solle die Rolle des Hausarztes als Behandler um die "zentrale Funktion als Koordinator und Schnittstellenmanager erweitert" werden, sagte Verbands-Chef Ulrich Weigeldt anlässlich einer Sonderdelegiertenversammlung des Verbandes in Berlin.

Die ambulante Versorgung müsse auf zwei Säulen gestellt werden: auf Kollektivverträge der KVen und Selektivverträge, die der Verband abschließt. Damit sollen dem Hausärzteverband zufolge Möglichkeiten zum Wettbewerb um neue Versorgungsideen geschaffen werden.

Ziel sei, mit einem Gesetz erweiterte Vertragsmöglichkeiten zu schaffen. Insbesondere Verträge zur Integrierten Versorgung könnten Sektorgrenzen überwinden, betonte Weigeldt.

In den vergangenen Monaten musste der Hausärzteverband erhebliche Turbulenzen bewältigen. "Die wirtschaftliche Situation war sehr hart", resümierte Weigeldt. Es gebe in diesem Zusammenhang nichts "zu beschönigen".

Ursächlich dafür war die Kündigung des Hausärztevertrags durch die AOK Bayern Ende 2010 - eine kurzfristige Reaktion der Kasse auf den vom ehemaligen bayerischen Verbandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Hoppenthaller angestrebten kollektiven Ausstieg der bayerischen Hausärzte aus dem Kollektivvertragssystem (wir berichteten).

Auswirkungen hatte die Vertragskündigung vor allem auf die Honorarumsätze aus 73b-Verträgen, die über die hausärztliche Vertragsgemeinschaft abgewickelt werden. Nach Verbandsangaben ist der Umsatz innerhalb zwei Wochen von 1,1 Milliarden Euro um 800 Millionen Euro auf 210 Millionen Euro (auf Jahresbasis gerechnet) eingebrochen.

"Jetzt steht der Hausärzteverband aber wieder solide da", sagte Eberhard Mehl, Hauptgeschäftsführer im Hausärzteverband.

Ein Problem sei aber nach wie vor die "die Weigerung von Kassen", dem geltenden Recht zu folgen und Hausarztverträge abzuschließen. Viele sähen das Gesetz eher als Empfehlung.

Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel der AOK Baden-Württemberg. Sie hatte erst vor kurzem bekräftigt, bis mindestens 2015 an Hausarztverträgen festzuhalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »